DECOLAP - Äppelchen 1 |
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Mandy ist ein scheues, zurückhaltendes Kind. In den ersten drei Schulwochen muß sie sich jeden Morgen aufs neue überwinden, ihre Mutter loszulassen. Eines Mittags kommt sie fröhlich mit Marc an der Hand auf die Lehrerin zu. Seitdem fällt es ihr viel leichter, auf andere Kinder zuzugehen und mit ihnen zu sprechen.
Kinder lösen Probleme oft eigenständig und intuitiv.
Die spontanen Handlungen der Kinder zeigen uns immer wieder Möglichkeiten, die wir auch in unserer Unterrichtspraxis bewußt einsetzen können. Anhand von Beispielen aus der Praxis wollen wir zeigen, daß Gruppenarbeit den Rahmen bildet, in dem Kommunikation aufgebaut und somit Sprachentwicklung gefördert wird.
Julie ist ein schüchternes Mädchen, welches im Klassenverband nur wenig zum Unterricht beiträgt. Zur Vorbereitung eines Rollenspiels als Gruppenarbeit teilt der Lehrer Julie einer Gruppe mit sehr gesprächigen Kindern zu. Bei der Aufführung vor der Klasse mischt sie sich dann auch in die Fragerei der anderen Kinder ein.
Hier hat der Lehrer Julie absichtlich in eine Gruppe eingefügt, von der er glaubt, daß sie Julie "zum Reden bringen" wird. Wohl ist die Aufgabenstellung sehr motivierend. Entscheidend jedoch scheint vor allem die Geborgenheit und Rücksicht zu sein, die Julie in der Gruppe erfährt. Unter diesen sprachstarken Kindern fühlt sie sich auch stark und kann so an Selbstsicherheit gewinnen
Nur wer dazugehört, kann mitreden.
Eine Gruppe Kinder bekommt Bildkarten. Ein Kind nimmt eine Karte und fragt ein anderes, wie der abgebildete Gegenstand heißt. Weiß es das Kind, so bekommt es die Karte, weiß es es nicht, kann das fragende Kind die Karte behalten. Der Lehrer stellt fest, daß auch sprachschwache und schüchterne Kinder gut mitmachen. Außerdem entstehen immer wieder Diskussionen über die Richtigkeit einer Antwort.
Das einzelne Kind befindet sich hier in einer Gruppe von Gleichberechtigten, die auf einer gemeinsamen Ebene kommunizieren. Außerdem ist jeder einzelne an vielen Interaktionen beteiligt, so daß mehr Sprache produziert und aufgenommen wird. Memory, Domino, Quartett, Lotto usw. eignen sich ebenfalls für solche Spiele.
Für die Arbeit in verschiedenen Ateliers, die gleichzeitig ablaufen, ist die Einteilung der Klasse in Gruppen erforderlich. Die Lehrerin stellt den Kindern vier Aufgaben vor, die in verschiedenen Ateliers erledigt werden sollen. Anschließend entscheiden sich die Kinder für eine dieser Aufgaben und hängen ihr Namenskärtchen zum jeweiligen Atelierskärtchen. Hier ein Beispiel:
- Atelier "TEO": Hier sprechen die Kinder eine Geschichte in den Computer. Diese Geschichte kann frei aus ihren Erlebnissen entstehen oder als Hintergrund ein Bilderbuch oder eine Bildgeschichte haben.
Zuerst werden normalerweise organisatorische Dinge besprochen. Wer nimmt die Maus? Worüber wollen wir sprechen? Wer spricht den Satz in den Computer? Es wird heftig diskutiert, unbrauchbare Sätze werden einfach gelöscht und neu formuliert. Dabei müssen die Kinder sich entscheiden, wie sie ihre Gedanken am besten formulieren. Einer lernt vom andern, auch Wortschatz und Grammatik. Die Lehrerin meint dazu noch: "Wenn ich nicht dabei bin, entsteht vielleicht auch etwas ganz anderes."
- Atelier "Lieder illustrieren": Damit die Kinder die Lieder in ihrem Liederheft besser erkennen, malen sie zu jedem Liedtext ein passendes Bild.
Obwohl es sich nicht prioritär um eine sprachliche Aktivität handelt, sprechen die Kinder sehr viel über das, was sie malen, oder auch über ganz andere Dinge. "Wie findest du meinen neuen Pulli?"
- Atelier "Mini-Lük in Partnerarbeit":
Gemeinsam ist Problemlösen nur halb so schwer. Und es macht viel mehr Spaß. Erklären, überzeugen, sich durchsetzen, nachgeben.
- Atelier "Namen stempeln":
Schrift ist Sprache, auch schon im Kindergarten. Die Kinder unterhalten sich über Buchstaben und Schriftaufbau. Der Zugang zur Schrift ist ungezwungen und geht vom Kind aus.
Nach einer bestimmten Zeit oder am nächsten Tag wechselt jede Gruppe das Atelier. Vielleicht können sogar die Kinder ihre Aufgabe der nächsten Gruppe erklären?
In solchen Ateliers werden alle möglichen Arbeiten aufgegriffen. Wichtig ist, daß durch die Aufgabenstellung und durch die Zusammensetzung der Gruppe eine sinnvolle Kommunikation entsteht, an der alle beteiligt sind. Auch zwischenzeitliches Blödeln oder Streiten mag für Kinder sinnvoll sein.
Sprache wird dann gelernt, wenn sie sinnvoll ist.
In einer weiteren Form der Gruppenarbeit stellen die einzelnen Gruppen ein gemeinsames Produkt her:
Auf einem großen Papierbogen soll ein Baum entstehen. Eine erste Kindergruppe malt den Stamm, eine zweite die Äste, eine dritte die Blätter, eine weitere die Früchte.
Jedes Kind leistet einen Beitrag zum Ganzen. Ohne Absprache entsteht dabei wenig Sinnvolles. Auch Kommunikation ohne Worte findet statt. Das fertige Produkt regt zu weiteren Gesprächen an.
Wir wollen nicht vergessen, daß die Kinder aus eigenem Antrieb die Kleingruppe als Arbeits- und Spielform nutzen. Die Einteilung des Klassenraumes und das Materialangebot unterstützen dies nachhaltig. Leseecke mit Büchern, Spielecke, Kuschelecke, Schreibatelier, Mal- und Basteltisch sowie Thementisch, Photoalbum oder ein altes Fernsehgehäuse werden spontan für Aktivitäten aufgegriffen, in denen Sprache eine tragende Rolle spielt.
Adrien Cloos, Claude Kinarian, Christiane Linden,
Carole Stoos, Monique Weydert
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