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Gruppenarbeit - ein Rezept zur Sprachförderung?

Es wird kaum schwerfallen, diese Frage zu bejahen - oder? Es leuchtet ja auch ein, liegt auf der Hand. "Beweise" sind schnell gefunden, beispielsweise:

(...) Dans d'autres classes, elles (les institutrices) proposent simultanément plusieurs activités à réaliser en petits groupes (organisation en atelier). Dans ce dernier cas, et spécialement lorsque les petits groupes sont organisés, les enfants s'engagent plus fréquemment dans les interactions verbales sur la tâche.

(COMMISSION EUROPEENNE: L'importance de l'Education préscolaire dans l'Union Européenne - Un état de la question, 1995)

Und trotzdem: Sind wir uns eigentlich einig, was wir unter Gruppenarbeit verstehen ?

Ein kritischer Rückblick auf meine eigene Praxis der letzten Jahre in dieser Hinsicht läßt mich aufhorchen. Gruppenarbeit kann viele Formen annehmen. Eine kritische Analyse dieser Formen, vor allem unter dem Aspekt der Sprach- und Kommunikationsförderung, läßt mir bestimmte Formen wesentlich sinnvoller erscheinen als andere.

BEISPIEL 1 - Vatertag

Es sollen Figuren aus Modelliermasse hergestellt werden. Eine große Figur stellt den Vater dar, eine kleinere das Kind. Um intensiver auf die einzelnen Kinder eingehen zu können, werden drei Gruppen gebildet. Eine erste Gruppe arbeitet mit der Modelliermasse, die Kinder aus der zweiten Gruppe sollen sich ein Puzzle aus dem Schrank nehmen und dieses in einer Ecke des Raumes "lösen". Für die dritte Gruppe steht ein Tisch mit allerlei "Lernspielen", z.B. "Schau genau", bereit. Die Lehrperson kann sich intensiv um die erste Gruppe kümmern, sie kann Erklärungen geben, helfen. Die Kinder in den beiden anderen Gruppen arbeiten mehr oder weniger selbständig an ihren Aufgaben. Wenn die Figuren fertig sind, kommt die nächste Gruppe an den Basteltisch ...

Analyse:

- in der Bastelgruppe ist die Lehrperson omnipräsent, Kommunikation läuft ausschließlich über sie, sie spricht sehr viel, die Kinder wenden sich fast immer an sie. Kind-Kind-Kommunikation ist minimal.

- in den beiden anderen Gruppen arbeiten die Kinder individuell, sie werden nicht mit einer gemeinsamen Aufgabe betraut. Auch hier bleibt Kommunikation gering.

- wenn die Bastelgruppe fertig ist, müssen auch die anderen Gruppen wechseln, die Kinder können also u.U. ihre jeweilige Aufgabe nicht zu Ende führen.

BEISPIEL 2 - Dritte Welt - Schulprojekt

Mit dem Ziel, Kinder für die Gebräuche und Eigenheiten, aber auch die Probleme der Menschen aus anderen Erdteilen zu sensibilisieren, entstand ein klassenübergreifendes Schulprojekt. Mit Hilfe der Eltern konnte eine Vielzahl von Ateliers angeboten werden, etwa Geschichten vorlesen und freies Malen, Kochen mit exotischen Zutaten, Dia-Show, Afrikanischer Tanz, Modellieren von Gefäßen ... Die Kinder werden in Gruppen aufgeteilt, nach einer halben Stunde wechseln sie ins nächste Atelier.

Analyse:

- in jeder Gruppe ist ein Erwachsener, der wiederum einen Großteil der Kommunikation monopolisiert.

- die Gruppen werden willkürlich zusammengesetzt ohne Rücksicht darauf, ob die Kinder sich auch "etwas zu sagen haben".

- verschiedene Aktivitäten beinhalten kooperative Momente (Kochen, Tanz).

- der Zeitpunkt zum Wechseln der Ateliers liegt fest, unabhängig davon, ob die Arbeit im Atelier abgeschlossen ist oder nicht.

BEISPIEL 3 - Projekt Papier

Nachdem das Thema in der Gesamtgruppe eingeführt wurde, werden verschiedene Aktivitäten vorgestellt:

- Papier marmorieren

- Mit dem Computerprogramm TEO: Was wäre, wenn es kein Papier mehr gäbe?

- Papierbrei herstellen (zerreißen, einweichen, mixen ... )

- Papier schöpfen und einfärben

- Gemeinschaftsarbeit Collage: Wieviele verschiedene Arten von Papier finden wir?

- Bilder gestalten mit dem geschöpften Papier.

An der Tafel werden Symbole für jede der Aktivitäten befestigt. Bis Freitagnachmittag soll jedes Kind an allen Aktivitäten teilgenommen haben. Feste Zeiten für diese "Wochenplanarbeit" sind vorgesehen. Am Ende jeder dieser Sequenzen berichtet jedes Kind in einem Kreisgepräch, was es heute gemacht hat. Schwierigkeiten im Umgang mit Material sowie Konflikte unter den Kindern werden besprochen.

Analyse:

- fast alle Aktivitäten setzen Kommunikation und Kooperation voraus. So müssen die Kinder am Computer beratschlagen, welche Idee als nächste aufgenommen wird, wer die Maschine bedient. Beim Papierschöpfen muß jeweils ein Kind den Schöpfrahmen halten, ein anderes trocknet ab ...

- jedes Kind kann die jeweilige Aufgabe nach seinem eigenen Rhythmus erledigen. "Schnelle" Kinder können schon zur nächsten Aufgabe übergehen, andere können ihre Aufgabe aber zu Ende bringen.

- die Zusammensetzung der Gruppen ändert fortwährend. Es kommen neue Kinder zu einer Gruppe, erkundigen sich nach Material, orientieren sich an der Arbeit der anderen. Schwächere Kinder kommen immer wieder mit kompetenteren Kindern in Kontakt.

- da die Lehrperson sich kaum allen Gruppen intensiv zuwenden kann, entsteht eine Eigendynamik, in der zunehmend ältere Kinder Verantwortung für andere Kinder übernehmen.

- im Abschlußkreis hat jedes Kind etwas zu berichten. Konflikte werden verbalisiert.

Meine eigene Praxis in dieser Weise kritisch überdenkend, scheint mir diese letzte Form der Gruppenarbeit jene zu sein, die dem Anspruch der Sprachförderung am ehesten gerecht wird.

Wichtig scheint mir, daß die eigene Praxis nach Kriterien der Kommunikationsförderung reflektiert wird.

Christian Schwarz

Vorschullehrer in Peppingen


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