DECOLAP - Äppelchen 1 |
Index-Sujets |
Ich arbeite an einer Schule mit einem sehr hohen Anteil von Kindern, deren Muttersprache nicht Luxemburgisch ist. Die verschiedenen Muttersprachen der Kinder in meiner Klasse sind Portugiesisch (12), Luxemburgisch (3), Bosnisch (1), Französisch (1) und Italienisch (1).
Die Auseinandersetzung mit einer komplexen Sprachensituation ist zum Teil der Anlaß für die Maßnahmen, die ich im folgenden beschreiben möchte.
Den Kontakt herstellen
Vor dem Beginn der Sommerferien habe ich die neuen Kinder mit ihren Eltern zu einem Besuch in den Kindergarten eingeladen. Die große Mehrheit der Kinder und Eltern sind dieser Einladung gefolgt. Dies hat mir erlaubt, bereits vor Schulbeginn erste Kontakte herzustellen.
Die Kinder, die zu jenem Zeitpunkt in der Klasse waren, haben wesentlich zu dem Gelingen dieser Besuche beigetragen. Sie übernahmen die Aufgabe, den neuen Kindern die Klasse zu zeigen. Dies hatte mehrere Vorteile: Die neuen Kinder wurden von ihren zukünftigen Klassenkameraden in die unbekannte Schulsituation eingeführt (Kontakte zwischen Kindern sind oft leichter herzustellen als zwischen Erwachsenen und Kindern); Kinder gleicher Muttersprache fanden sich zusammen (für die neuen Kinder war der erste Kontakt mit der Schule weitgehend in ihrer Muttersprache, ein Faktor, der ihnen die Situation erleichtert); ich selber war entlastet und konnte mich mit den Eltern unterhalten.
Bereits bei diesen ersten Gesprächen mit den Eltern rückte das Thema Sprachen in den Vordergrund. Viele Eltern stellten sich die Frage: Wie wird mein Kind ohne Kenntnis der luxemburgischen Sprache in der Schule zurechtkommen? Einige Eltern brachten ihre Ängste diesbezüglich zum Ausdruck, aber auch ihre Erwartung an den Kindergarten, den Kindern die luxemburgische Sprache zu vermitteln.
Meiner Meinung nach haben diese Besuche für alle Beteiligten den Schulbeginn erleichtert, da alle schon einen ersten Eindruck davon hatten, was auf sie zukommt, und die Basis für ein Vertrauensverhältnis zwischen Kindern, Eltern und Schule geschaffen wurde.
Die Situation der Eltern und der Kinder als Ausgangspunkt nehmen
Ich erachte es für wichtig, bereits von Anfang an die Eltern in die schulischen Prozesse einzubeziehen. Deshalb habe ich auch gleich am ersten Schultag mit den Eltern den Termin für einen ersten Elternabend vereinbart. Dies hat den Vorteil, daß alle Eltern anwesend sind und so ein Termin gefunden werden kann, der allen entgegenkommt.
Mit zwei Ausnahmen waren dann auch an diesem Abend alle Eltern gekommen. Unter anderem griff ich an jenem Abend besonders das Thema Sprachen und Sprachenlernen auf.
Ich selber wollte mir ein Bild über das erweiterte sprachliche Umfeld der Kinder verschaffen. Um auf ökonomische Weise an Informationen heranzukommen, teilte ich den Eltern einen Fragebogen aus mit der Bitte, diesen auszufüllen. Nachdem ich ihnen den Sinn und Zweck dieses Fragebogens erklärt hatte, haben alle Eltern den Bogen ausgefüllt.
Ich möchte hier etwas näher auf diesen Fragebogen eingehen. Ganz allgemein habe ich mich gefragt: Wie sieht das sprachliche Umfeld eines jeden Kindes aus? Mit wievielen Sprachen kommt es in Kontakt und bei welchen Gelegenheiten? Zwei Bereiche scheinen mir besonders wichtig: Personen und Medien. Im Bemühen, den Fragebogen kurz zu halten, beschloß ich, den Personenkreis einzuschränken auf Familienmitglieder, Personen, die im Haushalt wohnen, und Personen außerhalb der Familie, mit denen das Kind regelmäßig in Kontakt kommt. Bei den Geschwistern habe ich die Frage nach dem Alter hinzugefügt, da vor allem ältere Geschwister, die in Luxemburg zur Schule gehen, eine wichtige Rolle beim Luxemburgischlernen übernehmen können.
Im Bereich Medien habe ich ebenfalls nach den verschiedenen Sprachen gefragt. Aspekte wie Regelmäßigkeit, Häufigkeit oder Vorlieben für einzelne Angebote habe ich außer Acht gelassen. Die einzigen detaillierten Fragen betreffen den Umgang mit Kinderbüchern. Ich selber sehe in der Auseinandersetzung mit Kinderbüchern ein großes Potential zur Entwicklung und Förderung der Sprache. Daher bin ich sehr daran interessiert zu wissen, welchen Stellenwert Bücher zu Hause für die Kinder haben.
An dieser Stelle möchte ich allerdings auch warnen vor einer Überinterpretierung der Information, die man durch einen Fragebogen erhalten kann. Ich betrachte diese Informationen weder als endgültig noch als vollständig. Vielmehr glaube ich, daß ihr Wert darin liegt, Anlaß zu weiteren Gesprächen zu geben. Dies kann sowohl in Einzelgesprächen als auch an weiteren Elternabenden geschehen.
Nom de l'enfant:
Quelle est la langue principale de votre enfant?
Langue dans laquelle votre enfant est adressé par:
la mère:
le père:
ses frères et soeurs (nom et âge):
les autres personnes dans le ménage (grands-parents, oncles et tantes):
d'autres personnes avec lesquelles l'enfant entre en contact régulièrement: (membres de la famille, voisins, personnes de garde, amis etc.):
Votre enfant a-t-il fréquenté une crèche ou une garderie? oui / non
Si oui, pendant combien de temps?
Quelles sont les autres expériences langagières de votre enfant?
Langues
Chaînes de TV
Programmes Radio
Cassettes Audio
Cassettes Vidéo
CD, disques
Est-ce que votre enfant regarde des livres pour enfants?
tous les jours souvent rarement jamais
Est-ce que vous (ou une autre personne) participez à cette activité?
tous les jours souvent rarement jamais
Est-ce que vous racontez des histoires à votre enfant?
tous les jours souvent rarement jamais
En général, pensez-vous que votre enfant parle beaucoup ou peu?
Was hat der Fragebogen mir gebracht?
Durch den Fragebogen ist mir stärker bewußt worden, wie verschiedenartig und komplex die sprachliche Umwelt der einzelnen Kinder ist. Hier sind einige der Einsichten und Überlegungen, zu denen die Fragebögen mich gebracht haben:
Beim Durchlesen der einzelnen Fragebögen habe ich versucht, mir die Schule aus der Sicht des betreffenden Kindes vorzustellen. Wie erlebe ich die Schule, wenn ich bisher ausschließlich mit der portugiesischen Sprache aufgewachsen bin? Was verändert sich dadurch, daß meine Schwester mich bereits über einige geheimnisvolle Wörter wie Faarwen, molen, Schoulsak, Päiperléck aufgeklärt hat?
Die meisten Kinder in meiner Klasse hatten Erfahrungen mit wenigstens zwei Sprachen, bevor sie in den Kindergarten gekommen sind: zum Beispiel Luxemburgisch und Deutsch, Portugiesisch und Französisch oder Bosnisch und Deutsch. Für diese Kinder ist es selbstverständlich, daß derselbe Gegenstand verschiedene Namen haben kann.
Etwa die Hälfte der portugiesischen Kinder schaut sich Fernsehprogramme in deutscher Sprache an. Diese Tatsache war mir nicht bewußt, sie erklärt aber, wieso diese Kinder im Spiel beispielsweise "Hilfe, Hilfe!" rufen, oder, nachdem sie einen Tag lang nicht zur Schule gekommen sind, mit den Worten "Ich bin krank!" zur Tür hereinkommen.
Nur bei drei Kindern konnte ich anhand der Fragebögen keine Person identifizieren, die für weitere Sprachkontakte in Luxemburgisch zur Verfügung stehen könnte. Das heißt, bei 12 der 15 nicht-luxemburgischsprachigen Kindern gibt es im näheren Familienumfeld wenigstens einen Partner für Interaktionen in luxemburgischer Sprache. In acht Fällen handelt es sich um ältere Geschwister. Ich möchte auf jeden Fall beim nächsten Elterntreffen diese Tatsache ansprechen und Möglichkeiten zur Nutzung dieses Potentials diskutieren.
Im Hinblick auf den Umgang mit Büchern habe ich festgestellt, daß die große Mehrheit der Kinder sich zu Hause oft mit Büchern beschäftigt. Ungefähr die Hälfte der Eltern beteiligen sich an dieser Aktivität. Auch dieses Thema werde ich an einem der nächsten Elternabende aufgreifen, besonders im Hinblick auf die Einrichtung einer Leihbibliothek.
Das Wissen um die individuelle Sprachsituation erleichtert oder ermöglicht sogar erst die Thematisierung von Sprache und Sprachenlernen sowohl mit den Kindern als auch mit den Eltern. Der Fragebogen diente mir als Ausgangspunkt zur Herstellung gemeinsamer Referenzpunkte zwischen Elternhaus und Schule. Diese gemeinsamen Referenzpunkte sind notwendig, um eine sinnvolle und für das Kind bedeutsame Spracharbeit in der Klasse zu verwirklichen.
Brigitte STAMMET
Vorschullehrerin in Esch/Alzette
Vous pouvez nous envoyer vos questions et commentaires, ainsi qu'un aperçu sur vos expériences dans ce domaine.
Schicken Sie uns Ihre Fragen, Ihren Kommentar und eine Übersicht über eigene Erfahrungen in diesem Bereich.