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Video und Dia: wertvolle Medien auch in der Elternarbeit

Am Anfang eines jeden Trimesters gibt ein Elternabend mir die Gelegenheit, neben möglichen Projekten für die Zukunft auch einen Rückblick auf das vergangene Trimester zu machen. Dies erscheint mir notwendig vor allem, weil oft schon beim ersten Elternkontakt, in den ersten Schulwochen, offensichtlich wird, daß die Vorstellungen und Erwartungen über Ziele, Inhalte und Methoden der Spielschule sehr unterschiedlich sind. Hieraus entsteht für mich das Bedürfnis, die Arbeit und das Leben in der Schule transparenter darzustellen.

Unter diesem Gesichtspunkt versuche ich im Laufe des Jahres anhand von Dias oder Video etwa

exemplarisch verschiedene Aktivitäten innerhalb eines Projektes zu dokumentieren;

Während des Elternabends bietet jedes Bild, jede Filmsequenz Anlaß zu Kommentaren, seitens der Eltern beispielsweise, um Fragen aufzuwerfen, Vorschläge zu formulieren; meinerseits, um zusätzliche Erklärungen zu liefern, meine Überlegungen und Beweggründe darzustellen. Die Bilder bieten somit konkrete Impulse, anhand derer vieles vermittelt und veranschaulicht werden kann, ohne über die Köpfe der Eltern hinweg zu dozieren. Mehrjährige Erfahrungen und Gespräche mit Eltern machten mir allerdings ganz deutlich bewußt, daß der Blickwinkel der Eltern nicht unbedingt mit meinen Absichten übereinstimmt.

Wenn es mir vorrangig um das Erklären meiner Arbeit geht, so steht für Eltern eindeutig ihr Kind im Vordergrund:

- Ist mein Kind auf dem Bild, was tut es?

- Das hätte ich ihm aber nicht zugetraut!

- Ach so, das ist es, wovon er immer zu Hause spricht!

aber auch:

- Warum nimmt mein Kind an dieser Aktivität offenbar nicht teil?

- Ich glaube, die anderen Kinder können das viel besser.

Sehr oft bringen Eltern ihre Überraschung zum Ausdruck, daß ihr Kind sich eigentlich in der Schule ganz anders verhält, als sie es erwartet hätten. Manchmal wird dies auch erst bei einem persönlichen Elterngespräch geäußert. In letzter Zeit versuche ich, diesen Aspekt verstärkt zu thematisieren, weil ich glaube, daß eine realistische Einschätzung der Fähigkeiten ihres Kindes den Eltern erlaubt, ihr Kind besser zu unterstützen und allgemein das Verhältnis zur Schule positiver zu gestalten. Die Darstellung meiner eigenen pädagogischen Absichten findet dann erst in einer zweiten Phase statt.

Durch das regelmäßige Dokumentieren über Wochen und Monate hinweg sammelt sich sehr viel Rohmaterial an, welches dann für den Elternabend sortiert und zusammengeschnitten werden muß.

Dies ist nicht immer leicht: Ein Vater machte mich darauf aufmerksam, daß die einzelnen Szenen an sich zwar interessant, oft aber zu kurz geraten seien. Als Zuschauer würde man oft gerne wissen wollen, wie sich eine bestimmte Situation weiterentwickelt.

Auf dieses Rohmaterial kann aber bei einer persönlichen Elternberatung zurückgegriffen werden, um das Verhalten eines bestimmten Kindes in vielfältigen Situationen über einen längeren Zeitraum hinweg zu analysieren und somit seine Entwicklung zu verdeutlichen. Wertvoll können derartige Dokumente etwa auch bei der Übernahme von «integrierten» Kindern in die nächste Klasse sein.

Video oder Dia?

Beide Medien brauchen jeweils spezifische technische Voraussetzungen: Kamera, Videorecorder, Fernsehgerät einerseits, Fotoapparat, Diaprojektor, Leinwand andererseits.

Die Vorteile von Videoaufnahmen liegen auf der Hand:

Bewegungsabläufe, das Manipulieren eines Materials, die Entwicklung eines Gespräches können besser dokumentiert werden. Dias dagegen erlauben ein viel aufmerksameres Betrachten eines bestimmten Bildes, mehr Details werden wahrgenommen, und sowohl Eltern als auch Kinder machen spontane Aussagen, ein Gespräch entwickelt sich leichter. Dies wiederum kann mit Videoaufnahmen nur erreicht werden, indem man den Film sehr oft stoppt und dem Zuschauer somit Gelegenheit gibt, über die letzten Einstellungen nachzudenken und sich zu äußern.

Gesprächsanlaß - auch für Kinder

Wenn die eigenen Produkte und Aktivitäten der Kinder allgemein wertvolle Anlässe für sinnvolle, authentische Gespräche bieten, so geben Medien die Möglichkeit, Erlebnisse über längere Zeiträume hinweg zu konservieren und wieder zu besprechen.

Alte Dokumente, etwa der Film von den letztjährigen Klassenferien, provozieren Aussagen über den eigenen Entwicklungsprozeß:

«Damals, als wir im Zelt schliefen, hatte ich aber noch viel mehr Angst vor dem Hund als heute.»

Bei Projekten, welche sich über mehrere Monate erstrecken, erlauben diese Dokumente, frühere Phasen immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und den Kindern somit Prozesse bewußt zu machen, so zum Beispiel das Wachstum von Zimmerpflanzen, die Jahreszeiten o. ä..

Das Ausleihen der Videokassette gibt den Kindern dann auch die Möglichkeit, zu Hause ihr Arbeiten in der Schule zu zeigen und wiederum zu kommentieren.

Christian Schwarz

Vorschullehrer in Peppingen


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