| Das Rollenspiel nimmt im Kindergarten einen großen
Platz ein. Wir beobachten die Kinder immer wieder bei Nachahmungsspielen.
Liebend gern schlüpfen sie in Rollen wie Mutter, Lehrerin, Arzt, Hund,
Prinzessin, Polizei, Power Ranger ... Diese spontanen Spiele sind reich
an Interaktionen sehr verschiedener Art.
In unserer Arbeitsgruppe stellten wir uns die Frage, ob Rollenspiele auch im Sprachbereich einen Stellenwert haben, inwieweit sie der Sprachentwicklung dienen. Kinder, die intensiv eine Rolle spielten, möchten wir auffordern, ihr Spiel zu wiederholen, es auszubauen und ihre Freunde darin einzubeziehen, damit alle daraus lernen können. |
Es bedarf sicherlich verschiedener Vorbedingungen, daß in einer Klasse authentische Rollenspiele entstehen. Erkennen wir den Wert des Rollenspiels für die Sprachentwicklung, so müssen wir den Kindern Raum und Zeit dazu verschaffen. |
| Wird jedoch ein solches Rollenspiel aufgegriffen,
verändert sich die Darstellung der Rollen, die vorher frei von den
Kindern gespielt und gesprochen wurden. übrig bleiben meist stereotype
Sätze mit sehr wenig Modulation in der Stimme, der anfängliche
Redeschwall, die Natürlichkeit haben sich aufgelöst.
In einer unserer Klassen erzählten wir eine Bildergeschichte vom Frosch, der aus seinem ausgetrockneten Weiher wegzog, weil er immer Beulen beim Hineinspringen bekam. Anhand der Bilder wußten die Kinder eine Menge zu erzählen, was der Frosch wohl dachte und sagte, als es ihm zu heiß war, als er sich verletzte, was er beim Umziehen einpacken sollte ... Als anschließend die Geschichte gespielt werden sollte, waren alle Kinder begeistert, eine Rolle zu übernehmen, doch reden konnten diese Frösche kaum noch: Sie quakten kleinlaut, kurze Sätze wie " Ist das heiß ", " Aua ", " Ich geh jetzt " , war alles, was an Sprache produziert wurde. |
Wir müssen aber vor allem lernen,
mit den Kindern über ihre Rollen zu sprechen. Rollenspiele dürfen
nicht ein- oder zweimal im Jahr " aufgegriffen " werden. Sie
sind nicht punktuelle Themen, die man nur ab und zu im Kindergartenjahr
berücksichtigt, oder etwa eine Technik, die man von Zeit zu Zeit einsetzt.
Dem Rollenspiel liegt vielmehr eine Haltung zugrunde, die über die
ganze Zeit konstant bleibt oder die man ablehnt.
Wir Lehrpersonen tun uns schwer daran, das Spiel der Kinder mit reeller Zuwendung zu betrachten, mit dem Kind an seiner Rolle zu " arbeiten " , ihm Mittel zu geben, eine wahre Geschichte ent- und bestehen zu lassen, in der es sich wohlfühlt und verwirklicht. Rollenspiele werden zur Kultur einer Klasse, wenn die Kinder merken: Meine Geschichte (meine Rolle) interessiert die Lehrerin und die andern Kinder, wenn sie lernen, eine Logik in ihre Handlung zu bringen, und Lust haben, sie immer weiterzuentwickeln. Dabei ist nicht nur gesprochene Sprache, sondern jegliche Ausdrucksform von größtem Wert. |
| Was ist hier wohl geschehen? Warum reduziert sich ein " aufgegriffenes " Rollenspiel? Wurde aus einem Rollenspiel Theater, in dem das Publikum den Schauspieler hemmt? Hat die Identifikation mit der Rolle aufgehört, wenn man darüber spricht oder Überlegungen dazu anstellt? |
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Ideen, wie man eine solche Kultur aufbauen kann, gibt uns Vivian Gussin Paley in ihrem Buch Wally's stories, Conversation in the Kindergarten. Kinder erzählen Geschichten, die die Lehrperson aufschreibt. Jedes erzählende Kind ist Regisseur und kann sein Stück mit Akteuren seiner Wahl besetzen, dann kann der Vorhang aufgehen. |