DECOLAP - Äppelchen 3 |
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Am Ende des Schuljahres machen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der DECOLAP-Arbeit eine Evaluierung des Projekts. Diese interne Evaluierung, Teil des Abschlußberichtes an das MENPF, ist von großer Bedeutung für die abschließende Beurteilung des Projekts selbst und für die Planung weiterer Vorhaben, die sich eventuell an DECOLAP anschließen sollen. Sie beinhaltet sowohl schriftliche als auch mündliche Stellungnahmen und ist z.Z. noch nicht abgeschlossen, da erst ein Teil der schriftlichen Stellungnahmen vorliegt.
Es scheint mir dennoch angebracht, bereits an dieser Stelle einige Aussagen, die auch für Außenstehende von Interesse sein können, zu veröffentlichen. Ich zitiere, ohne weitere Kommentare meinerseits, Aussagen zu zwei Themenkreisen.
Eine Frage lautete: " Was war für Dich die zentrale und nachhaltigste (Lern-) Erfahrung in der DECOLAP-Arbeit? "
LehrerInnen aus der Vorschule schreiben:
Das Konzept der " zone of proximal development " lieferte mir eine theoretische Legitimierung für meine persönliche Überzeugung: Innerhalb der Schule wird ein Großteil des Wissens nicht von Erwachsenen an Kinder vermittelt, sondern es wird sich im gemeinsamen, sinnvollen Schaffen angeeignet.
Die bedeutendste Erfahrung ist wohl, daß der Spracherwerb im Kindergarten nur zum geringen Teil vom Sprachanteil des Lehrers abhängig ist. (...) Bisher haben mich die Entwicklungsunterschiede der Kinder ab und zu gestreßt. Daß gerade Differenzen eine Gruppendynamik herstellen, ist für mich eine neue Erfahrung, die ich auch in meine Praxis umsetzen konnte.
Die zentrale und nachhaltigste Erfahrung für mich war die Tatsache, daß die Kinder sehr viel voneinander lernen. Es war für mich sehr wertvoll festzustellen, daß nicht alle sprachlichen Interaktionen, durch die die Kinder ihre Sprache bereichern, über mich laufen müssen.
Von nun an versuche ich, nicht auf eine Endleistung hinzuarbeiten, sondern das Kind mit seinen Wünschen in den Mittelpunkt zu stellen, die Kinder viel reden zu lassen und ihnen auch richtig zuzuhören, auf ihre Denkanstöße aufzubauen.
Zwei Aussagen von Lehrerinnen des ersten Schuljahres:
... dieses bewußte Miterleben, daß da bei jedem einzelnen Kind sich Sprache befindet, artikuliert und entwickelt, daß es immer irgendwie und irgendwelche Fortschritte in der Sprache gibt ... und dies nicht unbedingt wegen der einzigartigen Kompetenzen der LehrerInnen und ihrer Einsatzbereitschaft.
Beim Schreibenlernen haben die Kinder sich gegenseitig motiviert. Sie wollten immer mehr lernen. Ich hatte noch keine Klasse, in der Kinder derart früh lesen und schreiben konnten. (...) Wo es nur möglich ist, versuche ich, die Kinder gemeinsam lernen zu lassen.
Eine weitere Frage war, ob die Arbeit im Rahmen des DECOLAP-Projekts als Modell für die Weiterbildung und gegebenenfalls sogar für die Grundausbildung der Lehrerinnen und Lehrer gelten könne. Erläuternd ist hierzu zu sagen, daß sich die Arbeit im DECOLAP-Projekt durch folgende Aspekte charakterisierte: Dauer über ein ganzes Schuljahr, Zusammenarbeit in Gruppen, gemeinsame Erstellung von Produkten (drei Publikationen) in Kleingruppen.
Ich bin der Meinung, daß Weiterbildung nur unter dieser Form zu realisieren ist: alle Teilnehmer müssen eine aktive Rolle übernehmen, hierdurch wird bei jedem einzelnen ein Prozeß in Bewegung gesetzt.
... wäre es sicherlich angebracht, wenn eine ähnliche Arbeitsform die Grundausbildung begleiten würde. (...) Ich selbst habe während meiner Ausbildung diesen Austausch mit erfahrenen LehrerInnen, die ihre Arbeitsweise auch immer wieder kritisch hinterfragen und Neues ausprobieren, größtenteils vermißt.
... es ist die Form der Zusammenarbeit (das Erarbeiten verschiedener Themen in Gruppen), die am meisten hergibt, von der jedes Mitglied etwas hat, denn jeder kann sich einbringen. (...) Nur durch Zusammenarbeiten, Informations- und Erfahrungsaustausch kann eine Änderung im Schulwesen erreicht werden. (...) Erst wenn man sich stark fühlt durch andere, ist ein Erfolg viel einfacher zu erlangen. (...) Diese Arbeitsform würde ich auch sehr wichtig für die Grundausbildung finden ..., damit die Auszubildenden lernen zu kommunizieren und zu kooperieren.
Einige Lehrerinnen und Lehrer machen sich Gedanken über die Rezeption des DECOLAP-Projektes draußen. Werden die pädagogischen Konzepte von DECOLAP zur Kenntnis genommen? Wird DECOLAP irgendeinen Impakt auf die schulische Praxis haben?
Ein Vorschullehrer schreibt:
(Es) sollte versucht werden, möglichst viele LehrerInnen, aber auch Verantwortliche in Ministerium, ISERP, Inspektorat, Gemeinden, usw. zu Reaktionen zu veranlassen.
Womit Leserinnen und Leser dieser Zeilen ausdrücklich zu Reaktionen aufgefordert sind. Mit besonderem Nachdruck ergeht diese Aufforderung an die Leserinnen und Leser, die den Kreisen von Ministerium, ISERP und Inspektorat angehören.
Schicken Sie uns Ihre Fragen, Ihren Kommentar und eine Übersicht über eigene Erfahrungen in diesem Bereich.