DECOLAP - Äppelchen 1

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Projekt: Telefonbuch

Motivation

Der Eintritt eines Kindes in die 'Spillschoul' ist nicht nur für das Kind, sondern auch für seine Eltern ein einschneidendes Erlebnis. Außer einer vollkommen neuen Umgebung findet das Kind sich in einer Gruppe mit vielen fremden Gesichtern wieder. Aber nicht nur das Kind muß sich an fremde Personen gewöhnen, die nicht unbedingt alle in seiner Nachbarschaft wohnen, sondern auch die Eltern kennen sich nicht. Viele Kinder werden nicht von den Eltern, sondern von Geschwistern abgeholt, was natürlich Kontakte zwischen Eltern schwieriger gestaltet. Zum andern ist sehr oft zu beobachten, daß verschiedene Eltern sich schwertun, Gespräche mit anderen anzuknüpfen, wenn sie vor der Schule auf ihre Kinder warten. Was dazu führt, daß vor der Schule nicht eine Gruppe Eltern wartet, was ideal wäre, sondern viele Einzelpersonen.

Nicht nur gute Kontakte vom Lehrer zu den Eltern, sondern auch Kontakte der Eltern untereinander sind wichtig für eine gute Elternarbeit. Die Schule muß also hier helfend eingreifen.

Einleitung

In diesem Projekt geht es darum, die Kinder zu befähigen, selbständig miteinander zu telefonieren. Hierdurch werden neue Kontakte unter den Kindern ermöglicht, die sich nicht nur auf das Zusammensein in der Schule beschränken. Das Selbstwertgefühl der Kinder wird verstärkt, da sie selbst Verabredungen treffen können.

Vorbereitung

1. Standortbestimmung

Vor Beginn des Projektes stelle ich mir folgende Fragen:

Wo wohnen die Kinder?

Kennen sich die Kinder?

Gibt es Kinder, die schon Freundschaft mit Klassenkameraden geschlossen haben?

Spielen sie auch außerhalb der Schule miteinander?

Wer spielt mit wem?

Welche Schwierigkeiten haben die Kinder, um sich zu treffen?

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es für diese Schwierigkeiten?

Diese Fragen diskutiere ich dann mit den Kindern. Wir versuchen, Lösungen für einen besseren Kontakt zu finden. Das Telefonieren als Lösungsmöglichkeit wird mit Sicherheit unter den Vorschlägen der Kinder auftauchen. Es ist dann nur noch ein Schritt zu der Entscheidung, ein Klassentelefonbuch herzustellen.

2. Sachkunde

Zusammen mit den Kindern spreche ich über den Apparat Telefon und seine Funktionsweise, sowie über die Anwendung eines Telefonbuches. Danach haben sie ausreichend Zeit, mit alten Telefonapparaten in Rollenspielen untereinander zu telefonieren.

3. Porträts

Ich hefte die Fotokopien der Porträts an die Filztafel und die Kinder nennen die Namen der Klassenkameraden. Danach heften sie das Kärtchen mit ihrem Namen neben ihr Porträt. Zum Abschluß schreiben sie ihren eigenen Namen. Die Kinder, die dies noch nicht können, schreiben ihn vom Kärtchen ab.

4. Ziffern

In dieser Phase lernen die Kinder, daß man eine bestimmte Ziffernfolge wählen muß, um den gewünschten Partner sprechen zu können. Also lernen wir, die Ziffern von 0-9 zu benennen und sie auch zu zeigen. Danach legen die Kinder ihre Nummer selbständig mit Hilfe der Zifferkärtchen zusammen. Hierbei erkennen sie, daß die Reihenfolge der Ziffern nicht beliebig ist.

5. Rollenspiele

Mit Hilfe von alten Telefonapparaten lernen sie, ihre eigene Nummer zu wählen. In Rollenspielen werden Nummern eines anderen Kindes angewàhlt und erste Gespräche geführt.

6. Telefongespräch

Die Kinder telefonieren mit einem Familienmitglied von der Schule aus.

7. Umgebung der Schule

Um den Kindern zu ermöglichen, die Häuser ihrer Mitschüler kennenzulernen, mache ich mit ihnen einen Spaziergang durch die Nachbarschaft der Schule. Hierbei wird ihnen erklärt, daß die Straßen Namen haben und die Häuser Hausnummern. Vom Haus eines jeden Kindes mache ich ein Foto.

8. Fixierung der Umgebung

Die Adressen der Kinder werden an der Filztafel neben die Porträts der Kinder geheftet.

Ein Ortsplan mit den entsprechenden Straßen wird hergestellt. Die Fotos der Häuser werden daraufgeklebt.

Die Kinder, deren Häuser bei unserm Rundgang nicht erfaßt wurden, sollen Fotos von zu Hause mitbringen. Diese werden dann in Verbindung mit dem Plan gebracht, so daß die Kinder die Entfernungen zwischen ihren Häusern erkennen können.

9. Herstellung des Telefonbuches

Die Kinder basteln einen Einband für ihr Telefonbuch.

Jedes Kind bekommt Fotokopien, auf denen ein Foto, die Telefonnummer und die Adresse eines Kindes ist. Jedes Kind kann die Fotokopien so hintereinanderlegen, wie es möchte. Die Fotokopien werden mit dem Einband versehen, und die Kinder können ihr Telefonbuch mit nach Hause nehmen.

Schlußfolgerung

Die Kinder reagieren sehr gut auf dieses Projekt. Dies wird durch das Mehr an Kommunikation in der Klasse, das ständige Abschreiben von Namen, Adressen, Telefonnummern, das selbständige Benutzen von Telefonen zu Hause, die Beschwerden der Eltern über zu hohe Telefonrechnungen, usw. unterstrichen.

Der wichtigste Nebeneffekt aber ist die gesteigerte Kommunikation unter den Eltern. Sehr oft möchten sie gerne mit jemandem aus der Klasse ihres Kindes telefonieren, und sei es nur, um etwas nachzufragen. Das Klassentelefonbuch erlaubt ihnen dies ohne Probleme zu tun. Die Eltern können Spielnachmittage abmachen, Abholgemeinschaften bilden, ihr krankes Kind abmelden und sich so den Weg in die Schule ersparen, usw.

Oft entstehen unter den Eltern Freundschaften, die vor der Schultür nie zustande gekommen wären.

Abschließend noch die Frage eines Vaters, dessen Kind im zweiten Kindergartenjahr ist, nach zwei Wochen Schule: "Wann machst du das neue Telefonbuch mit den Kindern?"

Marc Wantz

Vorschullehrer in Bettemburg


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