Orhan Pamuk zum 74. Geburtstag (7.6.1952) – Ihm entgeht nichts!

von Taccuino Del Vecchio | 07/06/2026 | Die Notizen des Alten

Achtsamkeit und intensive Anschauung führen über Skizzen, Illustrationen und Dokumentationen von Objekten und Situationen zu komplexen Bildern, die später auch verschriftlicht werden können.

Orhan Pamuks wilde Entschlossenheit, die Bilder des Lebens sich nicht verflüchtigen zu lassen, charakterisiert den Zugriff des türkischen Nobelpreisträgers auf die ihn umgebende Welt.
Pamuk schreibt:

“Ein schöner Ausblick hält mich dazu an, der Welt mit Achtung zu begegnen. (…) Leben heißt sehen.” (S. 29, 110)
(2023) Erinnerungen an ferne Berge – Skizzenbuch. München, Hanser.

Über sein Skizzenbuch bemerkt er:
“Ich bin jemand, der in dieses Heft alles ganz genau schreibt. Als würde ich die Welt hier aufheben. Und würde versuchen, hier auszuleben, was ich nicht wirklich erlebe.” (S. 249)

Hier erklärt Orhan Pamuk seine Vorgehensweise:

So entsteht die Chronik des Lebens des Schriftstellers Orhan Pamuk:
“Für jeden Augenblick ein Bild! Aneinandergereiht ergeben sie die Bildergeschichte eines Tages, eines Jahres, eines Lebens. Ein Leben besteht aus einer Reihe von Bildern. Der Mensch ist neugierig auf das nächste Bild, und weil das immer so weitergeht, will er nicht sterben. Wenn er stirbt, sind die schönen Bilder zu Ende, es beginnt die Dunkelheit. Ich finde eigentlich alle Bilder schön, denn der Mensch will immer schauen.” (S. 111)

Sketchblog.lu zeigt, dass die Kinder von Anfang ihres Lernens genau wie Orhan Pamuk Anschauungen und Skizzierungen in ihre visuelle, schriftsprachliche und literarische Alphabetisierung einfließen lassen.
Es muss ihnen nur die dafür benötigte Zeit bereitgestellt werden.

Orhan Pamuk selbst verwendet ebenso wie die Kinder der Jean Jaurès-Schule auch technologische Hilfsmittel, um das Erlebte, Erfahrene und Betrachtete zu fixieren, dies alles in wilder Entschlossenheit:

“Ich fotografiere meinen Schreibtisch, meine Katze, ein Bild in einem Buch, das ich gerade lese, Werke in einem Museum, auf dem Bosporus vorbeifahrende Schiffe, Momente aus dem Alltagsleben meiner Frau. Ich bin immer wild entschlossen, mir nichts entgehen zu lassen.”
(2024) Der Trost der Dinge. München, Hanser. (S. 175)