Susanne Miller zum Geburtstag (14.5.1915 – 1.7.2008)
Susanne Miller, in Sofia geboren, wuchs in Wien in einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus auf. Als Jugendliche bereits wandelte sie auf den Spuren eines ethischen Sozialismus. Ein soziales Praktikum im Arbeitermilieu Wiens und der Kontakt mit sozialistischen Studenten während ihres Studiums der Geschichte, Anglistik und Philosophie, besonders aber die brutale Niederschlagung des Wiener Arbeiteraufstands während ihres Aufenthalts 1934 vertieften diese Prägung.
Das Exil während der Nazizeit in London verstärkte den Kontakt zu britischen und deutschen Sozialisten in der gemeinsamen Widerstandsarbeit gegen Hitlerdeutschland.
Susanne Miller leistete ab 1946 bedeutende Beiträge zur SPD-Programmentwicklung. An der Entstehung des Godesberger Programms von 1957 hat sie als Sekretärin und Protokollantin mitgewirkt. Sie prägte mit ihrer kritischen, aber kompromissbereiten Haltung die Partei und legte grundlegende Forschungsarbeiten zur Geschichte der SPD, zu deren Programmen und zum Verhältnis von Theorie und Praxis, vor.
In ihrem Buch von 2005 „So würde ich noch einmal leben“ – Erinnerungen von Susanne Miller (Aufgezeichnet und eingeleitet von Antje Dertinger), S. 21, 28, Bonn, Dietz. schreibt sie auch etwas über das Lesen- und Schreibenlernen unserer Kinder:
«Durch Freunde von mir, die Lehrer sind, habe ich später die hübsche Weisheit gelernt: „Auch der schlechteste Lehrer kann nicht verhindern, dass Kinder in einem Jahr Lesen und Schreiben lernen.“ Ich glaube, so ist es, und das ist auch gut so. Und was Kinder nebenbei noch lernen, das ist sicherlich für viele nicht so wichtig wie die Möglichkeiten, die ihnen durch die Lektüre von Büchern eröffnet werden. (…) Man müsste doch einen Unterricht machen, der die Kinder fesselt und berührt und in ihnen auch eine Verbindung zum Leben heute herstellt. Bei den vielen Diskussionen, die ich auf der politischen Ebene über die Notwendigkeit, das Schulwesen zu ändern, gehört hab, bekam ich den Eindruck, dass das alles viel zu theoretisch ist und die wirklichen Bedürfnisse von jungen Menschen, auch emotional gepackt zu werden, gar nicht berücksichtigt werden.»
Wie wahr, findet der Alte.
