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Zum Todestag von Robert Louis Stevenson (13.11.1850 – 3.12.1894) und zum Geburtstag von Joseph Conrad (3.12.1857 – 3.8.1924)

von Taccuino Del Vecchio | 03/12/2025 | Die Notizen des Alten | 0 Kommentare

Irgendwie sind die beiden großen Schriftsteller verwandt.
Robert Louis Stevenson wird oftmals als Schriftsteller für Jungens charakterisiert (was dem Alten unangemessen erscheint und auf einer beschränkten Sicht auf Stevensons Opus beruhen mag), während Joseph Conrad ein weitaus breiteres Publikum anspricht und dennoch als ein Schriftsteller der See gilt (wohl weil er von 1874 – 1894 Kapitän auf Handelsschiffen war).

Da Robert Louis Stevenson erst kürzlich in diesem Blog mehrmals gewürdigt wurde, will der Alte näher auf Joseph Conrad eingehen.

Der Alte zählt Conrads ´Herz der Finsternis´(Impulsgeber für Francis Ford Coppolas herausragenden Film ´Apocalypse Now´) und `Lord Jim´zu seinen absoluten Lieblingsromanen.

Was zeichnet denn den vollkommenen Stilisten Joseph Conrad aus?

Die österreichische Autorin Ilse Aichinger beantwortet dies so:
“Ich lese immer wieder Joseph Conrad. Obwohl mich weder die Gegenden noch die Handlungen seiner Romane im geringsten interessieren. Aber es ist für mich eine solche Faszination, dass da kein einziger unnützer Satz steht.” (S. 118)
(2011) Es muss gar nichts bleiben. Wien, Edition Korrespondenzen.

Auf S. 135 legt Ilse Aichinger nach:
“Joseph Conrad, den habe ich entdeckt, und zwar, obwohl mich seine Geschichten überhaupt nicht interessieren. Und auch die Gegend nicht – das spielt ja meistens irgendwo in Südasien, Südostasien – sondern einfach, wie jeder Satz stimmt. Conrad war Kapitän, und es haben sich immer alle lustig gemacht über ihn bei der englischen Marine wegen seiner polnischen Aussprache des Englischen, aber er war doch ein ganz unglaublich guter Autor und auch mit diesem Glück. Ich habe jetzt gerade wieder ein Buch gelesen, ´Herz der Finsternis´. Das spielt im Kongo. Das hat mir jemand geschickt, und das ist auch einfach wunderbar, wie da jeder Satz stimmt.”

Dann erhalten wir von Ilse Aichinger abschließend einen guten Tip:
“Ich bleibe bei denen, die ich immer geliebt habe, Joseph Conrad zum Beispiel. Ich lese immer dieselben Bücher, da entdeckt man immer wieder Neues.” (S. 229)
Ilse Aichinger bleibt also gerne allein mit Joseph Conrad.

IN (1977) Herz der Finsternis. Zürich, Diogenes. hat Joseph Conrad alias Theodor Jozef Konrad Korzeniowski Ilse Aichingers Lebens- und Lesegefühl in etwa so zusammengefasst:
“Nein, es ist unmöglich; es ist unmöglich, das Lebensgefühl einer bestimmten Epoche unseres eigenen Daseins anderen zu vermitteln – das, was deren Wahrheit, deren Sinn ausmacht -, deren zartes und durchdringendes Wesen.
Es ist unmöglich. Wir leben, wie wir träumen, allein.“ (S. 63)

Und wenn wir schon beim Träumen sind, dann können wir das mit Joseph Conrad tun:
“This was the way. To follow the dream. And again to follow the dream – and so – ewig – usque ad finem…” (p. 201)
(1986) Lord Jim. London, Penguin.

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