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Jorge Semprún zum Geburtstag (10.12.1923 – 7.6.2011)

von Taccuino Del Vecchio | 10/12/2025 | Die Notizen des Alten | 0 Kommentare

Von Jorge Semprún, dessen Heimat bekanntlich le langage und nicht la langue ist, hat der Alte folgenden Auszug gefunden:

«Hat man wirklich etwas erlebt, wenn es einem nicht gelingt, gut davon zu erzählen, wenigstens ein Körnchen Wahrheit bedeutungsvoll zu rekonstruieren – indem man es dadurch mitteilbar macht? Wirklich erleben, bedeutet das nicht, sich eine persönliche Erfahrung bewußt zu machen – das heißt, das Erlebte ins Gedächtnis zu rufen und gleichzeitig dazu fähig zu sein, es zu gestalten? Aber kann man irgendeine Erfahrung verarbeiten, ohne sie sprachlich mehr oder weniger zu meistern? Das heißt die Geschichte, die Geschichten, die Erzählungen, die Erinnerungen, die Zeugnisse: das Leben? Den Text, ja die Textur, das Gewebe des Lebens?» (S. 59)
(1981) Was für ein schöner Sonntag. Frankfurt am Main, Suhrkamp.

Treffen diese Sätze nicht besonders auf die Dokumente der Kinder zu, die auf sketchblog.lu veröffentlicht werden? Das Bedürfnis nach Gestaltung, Dokumentation, Argumentation und Mitteilung ist allgegenwärtig. Die Texte des kindlichen Lernens und Erlebens werden zu Erzählungen, Erinnerungen und Zeugnissen im kollektiven Raum der Klassen.

Doch Gefahr droht!
Jorge Semprún hat sie erkannt und genau beschrieben:
«Die Bürokratie ist ein Kreis, aus dem niemand herausspringen kann. Ihre Hierarchie ist eine Hierarchie des Wissens … Die Bürokratie hat das Staatswesen, das spirituelle Wesen der Gesellschaft in ihrem Besitz, es ist ihr Privateigentum. Der allgemeine Geist der Bürokratie ist das Geheimnis, das Mysterium …» (S. 363)

Lehrpersonen sollten dieser Gefahr entschlossen entgegen treten, findet der Alte.

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