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Astrid Lindgren zum Todestag (14.11.1907 – 28.1. 2002)

von Taccuino Del Vecchio | 28/01/2026 | Die Notizen des Alten | 0 Kommentare

Zum Gedenken an Astrid Lindgren möchte der Alte folgenden Auszug zitieren, der ihn immer fasziniert hat. Erfinden, Gestalten, Benennen, Anschauen, Erblicken, Forschen, Fühlen, Denken und … finden sich in dieser Episode. Alle Kinder und Lehrpersonen können es Pippi, Thomas und Annika gleichtun:

Eines Morgens kamen Thomas und Annika wie gewöhnlich in Pippis Küche gerannt und riefen : „Guten Morgen!“ Aber sie bekamen keine Antwort. Pippi saß mitten auf dem Küchentisch mit Herrn Nilsson, dem kleinen Affen, im Arm und einem glücklichen Lächeln auf den Lippen. „Guten Morgen“, sagten Thomas und Annika noch einmal.

„Denkt bloß“, sagte Pippi träumerisch, „denkt bloß, daß ich das gefunden habe!
Gerade ich und niemand anders!“
„Was hast du gefunden?“ fragten Thomas und Annika. (…) „Ein neues Wort“, sagte Pippi, und sie schaute Thomas und Annika glücklich an.
„Ein funkelnagelneues Wort!“
„Was für ein Wort?“ fragte Thomas.
„Ein wunderschönes Wort“, sagte Pippi. „Eines der besten, die ich je gehört habe.“
„So sag es doch“, sagte Annika.
„Spunk!“ sagte Pippi triumphierend.
„Spunk?“ fragte Thomas. „Was bedeutet das?“
„Wenn ich das bloß wüßte“, sagte Pippi. „Das einzige, was ich weiß, ist, daß es nicht Staubsauger bedeutet.“
Thomas und Annika überlegten eine Weile.
Schließlich sagte Annika: „Aber wenn du nicht weißt, was es bedeutet, dann nützt es ja nichts!“
„Nein, das ist es ja, was mich ärgert“, sagte Pippi.
„Wer hat eigentlich zuerst herausgefunden, was die Wörter alle bedeuten sollen?“ fragte Thomas.
„Vermutlich ein Haufen alter Professoren“, sagte Pippi.
„Und man kann wirklich sagen, daß die Menschen komisch sind. Was für Wörter sie sich ausgedacht haben! Wanne und Holzpflock und Schnur und all so was – kein Mensch kann begreifen, wo sie das her haben.
Aber Spunk, was wirklich ein schönes Wort ist, darauf kommen sie nicht. Was für ein Glück, daß ich es gefunden habe! Und ich werde schon noch rauskriegen, was es bedeutet.“ Sie dachte eine Weile nach.
„Spunk! Ob es vielleicht die oberste Spitze von einer blau angestrichenen Fahnenstange sein kann?“ fragte sie zögernd.
„Es gibt doch keine Fahnenstangen, die blau gestrichen sind“, meinte Annika.

Pippi, Thomas und Annika suchen nun nach dem Spunk in der Konditorei, im Eisenwarengeschäft, beim Doktor und bei zwei Damen, bis …
„Oh, Vorsicht, ein Käfer!“ rief Pippi. (…)
„So ein hübscher kleiner Käfer“, sagte Annika. „Ich möchte wissen, was es für einer ist.“ „Ein Maikäfer ist es nicht“, sagte Thomas. „Ein Mistkäfer auch nicht“, sagte Annika. „Und auch kein Hirschkäfer. Was das wohl für einer ist?“

Über Pippis Gesicht breitete sich ein seliges Lächeln. „Ich weiß“, sagte sie. „Es ist ein Spunk.“ „Bist du ganz sicher?“ fragte Thomas. „Glaubst du etwa nicht, daß ich einen Spunk erkenne, wenn ich einen vor mir hab?“ sagte Pippi. „Hast du jemals in deinem Lebenetwas so Spunkartiges gesehen?“
Astrid Lindgren (1987) Pippi Langstrumpf. Hamburg, Oetinger. (S.302-310)

Und wenn wir schon am Zitieren sind:

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