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Siri Hustvedt zum 71. Geburtstag (19.2.1955)

von Taccuino Del Vecchio | 19/02/2026 | Die Notizen des Alten | 0 Kommentare

Letztes Jahr war es an dieser Stelle der runde 70. Geburtstag, zu dem der Alte Siri Hustvedt, der Witwe von Paul Auster, gratulierte.

Heute ist es der 71. Geburtstag Siri Hustvedts, die der Alte so sehr schätzt aufgrund ihres scharfen Intellekts und ihrer intakten Wahrnehmung des menschlichen Geschehens.

Besonders imponiert dem Alten Hustvedts Insistieren auf dem Recht zu einer subjektiven Beobachtungs- und Anschauungsweise. Hustvedt schreibt:

“No one can truly escape her or his subjectivity. There is always an I or a we hiding somewhere in a text, even when it does not appear as a pronoun. (…) I want to implicate myself. I do not want to hide behind the conventions of an academic paper.” (p. XI)
(2012) Living, Thinking, Looking. London, Hodder & Stoughton.

Konventionen sind allso dazu da, (auf)gebrochen zu werden.

Eine Möglichkeit, diese Ichs und Wirs festzuhalten, sieht Siri Hustvedt in Joe Brainards Herangehensweise an sein Leben durch das tägliche Notieren des Satzes I remember, eine Aufgabe die bereits jedes Kind mündlich oder schriftlich jeden Tag leisten kann.

Hustvedts kongenialer Partner Paul Auster hält fest:
“Schreiben sie die Worte Ich erinnere mich, halten kurz inne, geben Ihren Gedanken Raum, sich zu öffnen, und unfehlbar werden Erinnerungen aufsteigen, Erinnerungen von einer Klarheit und Präzision, die Sie in Staunen versetzen werden. (…) und immer kommen dabei längst vergessene Einzelheiten gelebten Lebens ans Licht.
Wie Siri Hustvedt in ihrem neuen Buch Die zitternde Frau schreibt:
´Joe Brainard hat eine Erinnerungsmaschine entdeckt.´:
Familie, Essen, Kleidung, Filme, Filmstars, Fernsehen, Popmusik, Schule, Kirche, Körper, Träume, Tagträume, Phantasien, Feiertage, Gegenstände, Produkte, Sex, Witze, Sprüche, Freunde, Bekannte, Autobiografische Fragmente, Einsichten, Bekenntnisse, Betrachtungen …” (S. 349-354)
(2020) Mit Fremden sprechen – Ausgewählte Essays und andere Schriften aus 50 Jahren. Hamburg, Rowohlt.

Die Wichtigkeit eines solchen episodischen Erinnerns für unser Leben und unsere individuelle Lebensgestaltung hebt Siri Hustvedt besonders hervor:

“This event is part of my extended consciousness, what neuropsychgologists call ´episodic memory´ (…) The episodic memory then becomes part of what Antonio Damasio calls ´autobiographical memory´which is the ongoing narrative of the self. Episodic memory is that which says ´I´. ´I remember …” (p. 257)
(2012) Living, Thinking, looking. London, Hodder & Stoughton

Hören können Sie Siri Hustvedt hier:

Happy Birthday, Siri Hustvedt, wie schön, dass es Sie gibt!

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