| Der nachfolgende Text wurde den Kindern eines dritten Schuljahres am 18. Februar 1997 wortwörtlich vorgelesen. Die Bilder wurden nicht gezeigt |
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Tante Anna hätte wissen müssen, dass der Schwarze Mann in der Gegend war. War nicht der Brunnen leer, als sie heute morgen ihren Wassereimer füllen wollte? Und als sie sich über den Brunnenrand beugte, um nachzuschauen, war ihr da nicht ihr Glückspfennig unwiderbringlich in das Brunnenloch gefallen? Kaum war die Sonne am Horizont aufgetaucht, schon hüpfte das Unglück umher wie Kaninchen bei einem Familientreffen. Tante Anna hätte wissen müssen, dass der Schwarze Mann in der Gegend war. Aber sie wußte es nicht. Denn als es an ihre Tür klopfte, was tat sie? Sie öffnete. |
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Und da stand der Schwarze Mann. Er trug einen langen schwarzen Mantel, eine hohen schwarzen Hut und glänzend schwarze Schuhe. Er hatte einen schwarzen Stock mit Silberknauf in der Hand, und seine spitzen weißen Zähne glänzten in seinem spitzen schwarzen Bart. |
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"Einen schönen guten Tag",
sagte der Schwarze Mann und stellt einen glänzenden schwarzen Schuh in die Tür.
Schnell wie der Blitz schließt und verriegelt Tante Anna die Tür. Sie weiß,
wer der Schwarze Mann ist, und den wird sie auf keinen Fall reinlassen.
"Also, gute Frau" sagt der Schwarze Mann von draußen, "Sie wissen doch, dass das keinen Sinn hat. Verriegeln Sie nur Türen und Fenster, dann komm ich eben durch den Kamin. Und wenn Sie den Kamin verschließen, dann komme ich eben durch Mauerritzen. Sie können genausogut gleich die Tür aufmachen und mich reinlassen." Der Schwarze Mann klopft weiter an die Tür. Früher oder später, das weiß er, wird Tante Anna aufgeben und ihn reinlassen. Tante Anna ist das schon klar, aber auf den Kopf gefallen ist sie auch nicht. Als der Schwarze Mann wieder klopft, zwinkert sie ihrem Kater Rudi zu, öffnet die Tür weit und ruft: "Kommen Sie nur!" Der Schwarze Mann stolziert zur Tür herein. |
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Rudi faucht und jault und schließt schnell wie ein Knallfrosch zur Tür hinaus. Aber doch nicht schnell genug; er klemmt sich den Schwanz ein bißchen. Pfeilschnell klettert er auf den nächsten Baum und sitzt dort heulend und jaulend.
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So geht es, wenn der Schwarze Mann in der Gegend ist. Tante Anna schließt die Tür und sagt höflich: "Setzen Sie sich doch und bleiben Sie ein Weilchen." "Ja, gern", sagt der Schwarze Mann. "Und gegen ein Täßchen Tee hätte ich auch nichts." Kaum stellt Tante Anna den Wasserkessel auf den Herd, geht das Feuer aus. Und wie sie in die Kohlen bläst, um das Feuer wieder anzufachen, wird ihr Gesicht schwarz vor Asche. Aus dem Augenwinkel sieht sie den Schwarzen Mann grinsen, aber sie tut so, als würde sie es nicht bemerken. " Na, was für ein Glück", sagt Tante Anna. " Das Feuer ist ausgegangen, kein Schaden an so einem heißen Tag. Ich gebe ihnen ein Glas kühles Wasser, ein paar Tropfen sind noch im Eimer." Tante Anna füllt das Glas, und wie sie es nehmen will, hüpft es ihr aus der Hand; sie wird bespritzt und das Glas zerspringt in tausend Stücke. Der Schwarze Mann grinst wieder durch seinen Bart, aber Tante Anna tut so, als sähe sie es nicht. |
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"Oh, das ist angenehm!"
sagt Tante Anna.
"Kühlt richtig ab." Der Schwarze Mann grinst schon nicht mehr so breit, als sie die Scherben zusammenfegt. "Und noch ein Glück!" sagt Tante Anna. "Das Glas hatte ja schon einen Sprung. Jetzt kann ich es endlich wegwerfen und niemand wird sich beim Trinken verletzen." |
Der Schwarze Mann grinst überhaupt nicht mehr.
" Ich würde Ihnen gern ein Glas Wasser geben" sagt Tante Anna, "aber der Brunnen ist seit heute morgen leer." "Setzen Sie sich und ruhen Sie sich aus" sagt der Schwarze Mann. Tante Anna will sich setzen, da kracht der Stuhl zusammen, und sie sitzt auf dem Boden. "Na, so ein Glück", sagt Tante Anna und rappelt sich auf. "Grad hab ich gedacht, wo krieg ich jetzt nur Feuerholz her."
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Der Schwarze Mann stößt seinen Stock auf den Boden.
Tante Anna sieht, wie ärgerlich er ist. "Bringt Sie denn gar nichts aus der Ruhe?!" stößt der Schwarze Mann zwischen den Zähnen hervor. "Nein, heute nicht", sagt Tante Anna und holt ihren Schaukelstuhl. "Als ich heute morgen sah, dass der Brunnen leer war, da wußte ich: heute ist mein Glückstag!" |
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Der Schwarze Mann fängt wieder an zu grinsen.
"0 ja",
sagt er. "Dann wäre das ja ein fürchterliches Unglück, wenn im Brunnen wieder Wasser wäre, oder?" " Ja, schon" , sagt Tante Anna. " Aber das macht mir keine Sorgen, denn heute ist mein Glückstag. Sie haben mir nur Glück gebracht, da bedanke ich mich sehr." |
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"Ich geh jetzt wohl besser",
sagt der Schwarze Mann.
"Kommen Sie bald wieder",
sagt Tante Anna höflich.
"O ja" ,
dagt der Schwarze Mann und geht zur Tür hinaus.
"Sagen Sie, gute Frau, hören Sie nicht irgendwo Wasser plätschern?"
Tante Anna schüttelt den Kopf,
"Ich hör nichts",
sagt sie.
Dem Schwarzen Mann zerspringt fast das Gesicht, so sehr grinst er.
"Bald werden Sie es hören",
sagt er, tippt an seinen Hut und geht
seinen Stock schwingend und mit einem Liedchen auf den grinsenden Lippen die Straße hinunter.
Tante Anna grinst jetzt auch ganz listig, denn während sie dem Schwarzen Mann nachschaut,
hört sie die ganze Zeit, wie das Wasser im Brunnen plätschert.
"Na, komm schon runter, Kater"
ruft sie Rudi zu
"Wir beide können uns hinsetzen, schaukeln und uns ein Weilchen ausruhen."
Kassettenaufnahme
Eines Tages ging Tante Anna an den Brunnen, um Wasser zu holen. Aber der Brunnen war leer.
Sie hätte wissen müssen, dass der schwarze Mann in der Nähe war, aber sie wusste es nicht.
Da fiel ihr auf einmal ihr GIückspfennig aus der Tasche. ----
Sie ging nach Hause. Eines ----
nach einigen Minuten klopfte es an der Tür. Tante Anna machte die Tür auf und da stand der
schwarze Mann. Er hatte eine schwarze Jacke, eine schwarze Hose einen schwarzen Stock und ein Knopf darauf
und weiße spitze Zähne Der schwarze Mann sagte:
Guten Tag einen schönen guten Tag ---- da wollte
Tante Anna schnell die Tür zumachen, aber der schwarze Mann hatte den Fuß
in der Tür. Tante Anna tritt daran und machte die Tür schnell zu. Da sagte der
schwarze Mann: Mach die Tür zu, mach die Fenster zu, dann komme ich durch den Kamin. Und wenn du
den Kamin ---- zumachst, komme ich durch die Wand wie ein Gespenst.
Da machte Tante Anna die Tür schnell wieder auf und sagte: Setzen sie sich Sie sagte: Ich
mache uns etwas Tee Sie ging an den Eimer ---- wo sie vorher noch gefüllt hatte mit Wasser
und nahm daraus ein Glas Wasser.
Aufeinmal zersprang das Glas in tausend Stücke Da sagte Tante Anna: Ach wie gut,
ich wollte das Glas ja sowieso wegwerfen ---- Da ----
da ---- sagte Tante Anna: Hier ist es
kalt, ich mache uns etwas Feuer ---- da sag da ging sie zu dem Ofen und wollte Feuer machen, aber
das Feuer ging nicht an. Sie pustete und pustete und auf einmal kam sehr viel Ruß in ihr Gesicht.
Sie war von unten bis oben ganz schwarz mit Ruß bedeckt Da sagte der schwarze Mann : "Setzen sie sich"
und grinste dabei Tante Anna setzte sich in ihren Holzstuhl. Da zersprang der Stuhl in kleine Holzstückchen.
Da sagte Tante Anna: Ach wie gut, jetzt kann ich Feuerholz machen, Da fragte der schwarze Mann: Bringt sie denn
garnichts aus der Ruhe ---- da sagte Tante Anna: Oh nein heute ist mein Giückstag
---- und wie gut, dass mein G
Iückspfennig aus dem aus meiner Tasche gefallen ist ach das ist ja heute ein GIückstag. Da sagte
der schwarze Mann Hör ---- äh ---- ist
----
ist es auch ---- wäre es ein Unglück, wenn der
Brunnen heute voll wäre, "Oh ja" sagte Tante Anna da. Da sagte der schwarze Mann: Hören Sie nicht Wasser
plätschern "Oh nein" sagte Tante Anna. Aber der schwarze Mann sagte "Ich schon" und er sagte weiter:"Ich gehe
jetzt" ---- als der schwarze Mann ging, da lächelte Tante Anna und sagte zu Paul,
der vor Schreck, wo er den schwarzen Mann gesehen hat auf den Baum geklettert ist " Komm runter Paul, komm runter,
wir haben den schwarzen Mann vertrieben".