DECOPRIM 1 |
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Unsere Erstklässler bekamen die Möglichkeit, von Schulbeginn an mit
Schriftsprache zu experimentieren und sich aktiv damit auseinanderzusetzen. Dies konnte aber nicht geschehen anhand von vorgegebenen Fibeltexten, sondern durch schriftsprachliche Eigenproduktionen der Kinder. Da die Bandbreite der unterschiedlichen sprachlichen Vorerfahrungen im 1. Schuljahr sich auf ungefähr 3 Jahre streut, kann man unterscheiden zwischen:
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| “… ein vorwiegend an der Fibel ausgerichteter Erstunterricht verhindert, dass das Kind einen persönlichen Zugang zum Lesen und Schreiben finden kann.” (Spitta, 1988, S. 11) | ||
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Ausgangspunkt unserer Arbeit sind die Erfahrungen der Kinder. Im Mittelpunkt des
Schreibvorgangs steht das ICH jedes einzelnen Kindes. “Wenn Kinder zu schreiben beginnen, steht ihr Ich im Zentrum erster Wörter, Sätze und Texte. Das wichtigste Thema eines Kindes ist es selbst.” (Röhner, 1995) Unsere Erstklässler lernen also das Lesen und die Schriftsprache über ihre Wörter; ihre Texte bestimmen somit auch die Inhalte und Themen ihres Lernens. Wir setzen diese Art des Schreibens nicht ein, um den “normalen” Unterricht etwas aufzulockern oder das sonst so schwierige Schreiben(lernen) zu versüßen, sondern es ist Schwerpunkt unseres (Schrift-) Sprachunterrichts. |
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“Jeder schreibe über sich selbst, aus eigener Erfahrung und Anschauung. Aber nur über Dinge, Angelegenheiten, Fragen, die ihn wirklich beschäftigen, auch dann beschäftigen, wenn er mit sich allein ist und an Schreiben gar nicht denkt.”
(P. Schuster, 1979)
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Da wir uns zu dieser Methode entschlossen hatten, mussten wir uns aber zunächst mit Begriffen
wie “freies - authentisches und kreatives Schreiben” auseinandersetzen.
Merkmal aller Bezeichnungen ist, dass es sich um kein Schreiben von vorgegebenen Sätzen handelt, sondern dass sich das Schreiben und Lesen in einem Prozess an eigenen Wörtern, eigenen Texten und eigenen Themen vollziehen kann. Diese Schreibform lässt Freiraum für persönlichen Schreibstil und kritische Meinung. “Freies” Schreiben im Anfangsunterricht ist das Aufgreifen der Erfahrungen der Kinder, das Interesse an wichtigen Ereignissen in ihrem Tagesablauf und das Ernstnehmen dieser kindlichen Persönlichkeit (Freude, Begeisterung, Angst, Niedergeschlagenheit, Vorfreude, Familie, …). |
Wir haben festgestellt:
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Im Kleinkindalter erleben Kinder gehörte und geschriebene Sprache ohne kognitive und affektive Distanz (z.B. Vorlesen einer Geschichte, …). Diese ersten “Lese”erfahrungen erscheinen dem Kind nicht getrennt vom “wirklichen Leben”. Ohne weiteres Zutun entsteht oftmals bereits im Alter von etwa 4 bis 5 Jahren ein entwickeltes Symbolverständnis, eine Einsicht in die Bedeutung der Schriftzeichen. Ein uniformer Fibeleintopf kann diesen Vorerfahrungen keine oder nur wenig Rechnung tragen.
Für die Unterrichtsplanung in der Schule gilt es, unsern Schülern von der ersten Schulwoche an Schreibmöglichkeiten zu eröffnen, die es ihnen erlauben, ihren eigenen Zugang zur Schrift zu finden und weiter zu entwickeln.
Diese Schreibanlässe erlauben uns, den individuellen Leistungsstand der Kinder und ihre
Lernentwicklungen herauszufinden und zwar differenzierter als dies mit
einheitlichen, gebundenen Schreibübungen erfolgen kann
(ohne diese Schreibformen hier als überflüssig darstellen
zu wollen).
So ist es möglich, die jeweilige “Zone der nächsten Entwicklung” beim einzelnen Kind zu
erfassen und die Lernangebote darauf abzustimmen.
Gudrun Spitta (1986) grenzt idealtypisch folgende Stufen des Schreibenlernens voneinander ab:
Den einen wie den anderen muss die Schule die Möglichkeit geben, an ihrem
Entwicklungspunkt ansetzen zu können.
Unsere Aufgabe ist es, Situationen zu schaffen, in denen die Kinder im sozialen
Miteinander Sprache und Schriftsprache erfahren können.
Ganz entscheidend kommt dazu die personale Dimension des Lernens, also die Frage,
inwieweit der aktive Umgang mit der Schrift für das Kind eine persönlich
bedeutsame Erfahrung darstellt.
Gerade hier eröffnet das “freie” Schreiben ungeahnte Entwicklungspotentiale bei der großen
Mehrheit der Kinder, sehen sie doch in ihrem Schreiben eine Möglichkeit, sich anderen mitzuteilen.
Dass somit auch ein Schneeballeffekt durch das Lernen voneinander, das Nachahmen von Schreibleistungen anderer entsteht, ist nur verständlich.
Die Kindertexte, (zu Beginn meist Bilder mit Einzelwörtern, wenig später bereits Erzählungen mit 1 oder 2 Sätzen) sind das Material, über das Schriftsprache und Lesen entdeckt, ausprobiert und geübt werden sollten.

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Eltern reagieren in einer ersten Phase unterschiedlich.
Einerseits stößt der Ansatz auf große Zustimmung (selten auf offene Ablehnung),
andererseits sind viele Eltern zu Beginn verunsichert. Diese Verunsicherung bezieht sich vor allem auf Fragen der Rechtschreibung. Nach einigen Schulwochen sind in der Regel die Zweifel behoben, und die Eltern zeigen sich begeistert über die enormen Lernfortschritte.
Diese Art des Unterrichts verlangt eine intensive Elternarbeit. Eltern brauchen viel
Information und auch das Gefühl, dass ihre Zweifel und Verunsicherungen ernst genommen werden.
“Die Kinder können von Anfang an alle Wörter gebrauchen und haben keine
Angst vor schwierigen Wörtern.” |
![]() Bibliographie
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Die meisten Bedenken gegenüber dieser Methode sowie dem “freien Schreiben” haben
(nur verschiedene) Eltern bezüglich der Rechtschreibung. Ansonsten ist eine
allgemeine Begeisterung und Zustimmung unter allen Antworten festzustellen. |
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Auf meine Anfrage hin, ob vielleicht einige Eltern Lust
hätten, in der Klasse mitzuarbeiten, haben sich dazu
spontan 15 von 22 Müttern bereit erklärt. So hat es sich ergeben, dass dreimal
wöchentlich drei verschiedene Mütter in die Klasse kommen, um den Kindern beim freien
Schreiben zu “helfen”. Diese Hilfe bestand anfangs darin, ihnen beim Auflautieren und gelegentlichen
Rechtschreiben zu helfen, hat sich jedoch zusehends in eine Beraterrolle weiterentwickelt. Die Mütter
helfen nur, wenn sie von den Kindern darum gebeten werden, bezüglich Ideen, Fragen, Rechtschreibung, usw. Bei den Kindern sowie auch bei den Eltern und bei mir ist diese Zusammenarbeit auf große Begeisterung gestoßen und dies aus folgenden Gründen, die ich wiederum aus Gesprächen und Fragebogen erhalten habe: Die Eltern werden vertrauter mit der Methode, dadurch werden Unsicherheiten abgebaut. Die Eltern sehen, wie und was die Kinder in der Klasse arbeiten. Sie erkennen die unterschiedlichen Entwicklungsniveaus der Kinder, da sie diese Entwicklung mitverfolgen können, und verstehen somit besser, dass jedes Kind seinem eigenen Rhythmus entsprechend schnell- langsam, viel-wenig schreibt, aber trotzdem Fortschritte macht. Es macht ihnen enorm Spaß mitzuarbeiten. Die Kinder akzeptieren, respektieren das Kommen der Mütter und freuen sich (sind stolz) darauf. Sie diskutieren mit den Müttern, bitten sie um Hilfe und fragen oft: “Kommen heute wieder die Mütter?”
Es bleibt mehr Zeit für das einzelne (nicht nur für das
schwächere) Kind. |
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Diese Elternarbeit kann sich jetzt noch auf weitere Bereiche ausbreiten wie z.B. Lesen, Erzählen, usw.
Kontinuierliche Elterngespräche bleiben von großer Wichtigkeit, besonders zum Abbau von Unsicherheiten in Bezug auf Rechtschreibung. Auch für die Kinder ergeben sich bereits ab den ersten Wochen andere Arbeitsmöglichkeiten, z.B. Naturkundethemen werden schon früh zum Deutschunterricht, Klassenkorrespondenzen sind schon im Anfangsunterricht möglich, … Die Entwicklungsunterschiede der Kinder erfordern auch weiterhin differenzierte Lernanforderungen vor allem hinsichtlich Rechtschreibung, Satzbau, Länge der Schreibprodukte, Wortschatz, … |
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