
Am 5. Dezember organisierten die Lehrerin aus dem ersten Schuljahr und ich noch einen zusätzlichen Nikolaustag. Im Mittelpunkt standen Geschichten: Viele Schüler hatten Bücher mitgebracht, um sich Geschichten anzusehen, zu lesen oder vorzulesen. Geschrieben wurde aber auch, wobei die Großen den Kleinen helfen sollten.
Nach der gemeinsamen Aktivität sah ich die Texte nochmals durch. Eine Geschichte fiel mir wegen ihres Titels auf: Der Oster-Nikolaus. Hier erzählte Cathy, wie der Nikolaus sich verspätete und dem Osterhasen begegnete. Ich entdeckte noch eine ähnliche Geschichte von Laura, die sich deutlich bei Cathy inspiriert hatte.
(siehe Oster - Nikolaus I, Der Nikolaus)
Beide Texte hatten einen außergewöhnlichen Inhalt, und deshalb wollte ich sie, auf eine vielleicht ungewöhnliche Art, vertiefen: sie sollten aufgeführt werden.
Normalerweise geschieht nur folgendes mit den Geschichten: sie werden an der Wand befestigt und können gelesen und kommentiert werden. Den Kindern ist es also möglich, sich gegenseitig Rückmeldung zu geben. Viele Geschichten geben uns Anlass zu einer Schreibkonferenz, sei es in der Gruppe, sei es im Plenum. Seit Beginn dieses Schuljahres greife ich noch ziemlich regelmäßig auf eine weitere Möglichkeit zurück, um die Geschichten sprachlich zu vertiefen: nachdem sie von dem jeweiligen Autoren vorgelesen sind, werden sie aufgeführt. Der Text wird besprochen und analysiert: Wieviel und welche Personen spielen mit? Wo wird gespielt? Welches Material wird gebraucht?
Der Autor hat das Privileg, selbst die Schauspieler aussuchen zu dürfen. Nach der Aufführung wird darüber diskutiert, und oft werden mögliche änderungen am Anfangstext vorgeschlagen.
Die Idee, Texte aufzuführen, gewann ich beim Lesen in Paleys Büchern. Vivian Gussin PALEY beschreibt darin, wie Kinder die eigenen Geschichten erzählen, wie sie sie selbst aufschreibt und später vorspielen lässt. Ich beschäftigte mich besonders mit den Aufführungen selbst. Die gesamte Aktivität würde bei meinen Zweitklässlern natürlich anders aussehen, als bei Paleys amerikanischen Vorschulkindern. Meine Schüler konnten ihre Geschichten selbst aufschreiben. Außerdem unterschieden sich die Geschichten sehr hinsichtlich Thematik, Länge und Vielfalt. Die Ziele und die Durchführung mussten also auch verschieden sein.
Ich stellte mir die Frage, ob eine Aufführung den Kindern inihrem Schreibprozess von Nutzen sei. Ich nahm an, dass die Schüler sich durch solche Rollenspiele tiefer mit Texten auseinandersetzen würden. Die Sprache und Handlungen aus Aufführungen würden wieder in ihren nächsten Geschichten, bzw. in der überarbeitung des Anfangstextes aufgegriffen und verarbeitet werden. Hier würden die Schüler selbst auswählen, was sie übernehmen möchten und was nicht.
Im gesamten Schreibprozess steht der Schüler selbst im Mittelpunkt und nimmt Verantwortung für sein eigenes Lernen.
Die Aktivitäten Erzählen, Sprechen, Kommentieren geschehen in einer weitgehend authentischen Sprachsituation - die Schüler reden, weil sie etwas sagen möchten. Darüber hinaus sind diese Tätigkeiten mit dem Lesen, Schreiben und Nachdenken über Sprache sinnvoll verknüpft.
Die sprachlichen Kompetenzen der Kinder können allein dadurch verbessert werden, dass die Kinder die Möglichkeit des gemeinsamen Spieles haben, also der Zusammenarbeit (zone of proximal development, Vygotsky). Alle Schüler beeinflussen sich gegenseitig: Die Zuhörer, indem sie den Text des Autors (Ideen, Ausdrücke, Strukturen, Sprachhandlungen) kennenlernen und weiterverarbeiten, und der Autor, indem er die Ideen, änderungen und Kommentare der Darsteller und Zuhörer aufnimmt und vertieft.
Ich dachte ebenfalls an inhaltliche und sprachliche änderungen in den Texten. Bestimmt würden die Schüler lebendiger schreiben und öfter auf die direkte Rede zurückgreifen. Sie wären sicherlich motiviert, noch mehr zu schreiben. über Schreibfaulheit brauchte ich mich ohnehin nie zu beklagen, aber die Erzähl- und Schreibkultur muss gepflegt und unterhalten werden.
Inwiefern meine Ideen umgesetzt und sprachlich die Ziele erreicht wurden, ist schon vielleicht an einem konkreten Beispiel ersichtlich. Ich schlage deshalb vor, in die Gespräche vor und nach einer Aufführung hineinzuhören. Wie schon angedeutet, sollen es die beiden Oster - Nikolausgeschichten sein.
Kommentare der Kinder
Am 7. Dezember stellten Cathy und Laura ihre Geschichten vor. Ihre Kameraden hörten ihnen gut zu und meinten anschließend:
| Anne: Mir hat es gefallen, wo der
Nikolaus gesagt hat, jeder Mensch kann sich irren. Cathy: Dat huet heen awer nët gesot. Catherine: Mir hat es gefallen, wie der Nikolaus morgens auf den Kalender geschaut hat und hat gesagt,es ist Weihnachten. Manuela: Es war aber nicht Weihnachten. Anne: Mir hat es gefallen, wo der Osterhase ein Ei auf den Nikolaus geworfen hat. Cathy: Ich stelle noch eine Frage: Was ist, als der Nikolaus auf den Kalender gesehen hat? Tom: Er sieht, dass Weihnachten ist. .. Lehrerin: Wie ist das Wetter denn Ostern? Catherine: Das Wetter ist schön, wenn Ostern ist, weil es mitten im Sommer ist. Lehrerin: Im Frühling. Wie ist das Wetter in Lauras Geschichte? |
Laura liest noch einmal den Anfang ihrer Geschichte.
| Lehrerin: Da ist etwas nicht ganz richtig. Caroline B.: Der Schnee darf nicht fallen, wenn der Osterhase den Rasen mäht. Caroline T.: Der Nikolaus müsste doch das merken, weil da kein Schnee ist. Die Kinder überlegen, wie es im Frühling im Wald aussieht. Es sind Blätter an den Bäumen. Gras ist da. Es sind Blumen da. |
Auf die Frage, wie Cathy auf die Idee kam, diese Geschichte zu schreiben, antwortete sie, ihre Mutter hätte ihr diese Geschichte erzählt. Am 5. Dezember hatte sie die Bilder davon mitgebracht. Laura hatte sie gesehen und als Schreibanlass benutzt.
Nun wurde die Geschichte aufgeführt. Cathy und Laura suchten sich Schauspieler aus. Cathy spielte den Osterhasen, Nathalie den Nikolaus, Claudine ein Rentier und Laura, Tessy und Nadia die Kinder.
Nachdem besprochen wurde, wo der Wald, der Schuppen für das Rentier und die Wohnungen des Weihnachtsmannes bzw. des Osterhasen waren, konnte begonnen werden (siehe Transkript).
Nach der Vorstellung schossen wie üblich viele Finger in die Höhe.
Cathy rief Anne. Diese bemerkte:
| Anne: Nathalie hätte müssen sagen, dass
kein Schnee ist. Cathy: Ja, sie hat es vergessen. Ich habe zu ihr gesagt, es wäre doch alles grün, in meiner Geschichte war es grün also, so sollte es sein. Catherine: Die Kinder im Wald hätten doch müssen lachen, dass der Nikolaus im Frühling gekommen ist. Er kommt erst Weihnachten. Caroline T.: Die Kinder im Wald hätten mehr reden müssen. Sie hätten sich Fragen stellen können, wieso die beiden gekommen sind. Jessica: Die Kinder könnten auch vielleicht noch ein bisschen spielen im Lehrerin: Im Wald. Jessica: Im Wald spielen, bis der Nikolaus gekommen ist. Dann könnten sie ja lachen danach. Cathy: Sie könnten auch so tuscheln. Thierry: Cathy hat kein Ei auf den Nikolaus geschmissen. Lehrerin: Was könnten Cathy und Laura hinzufügen oder ändern? Caroline T.: Ihr könnt ändern, dass es im Wald so grün ist und kein Winter ist. Thierry: Und man könnte auch noch dabei Namen schreiben. Caroline B.: Laura müsste wegmachen, dass es schneit, weil es schneit ja nicht. Lehrerin: Wer ist denn gekommen, als wirklich Weihnachten war? Carine: Da war dann keiner gekommen. Lehrerin: Was hat der Weihnachtsmann denn gemacht, als wirklich Weihnachten war? Carine: Er hat geschlafen. |
Bemerkungen zu den Gesprächen
Die Kommentare zeigen, wie ernsthaft die Kinder sich mit den Texten auseinandersetzen. Aufmerksames Zuhören ist die Voraussetzung, um später kommentieren, Fragen beantworten und spielen zu können. Der Erzähler muss seinerseits laut und deutlich vorlesen. Es ist klar, daß dies fließend geschehen soll, wenn man interessierte Zuhörer haben möchte. Und wer möchte das nicht? Die Schüler beginnen jetzt auch seit geraumer Zeit beim Lesen Wichtiges stimmlich hervorzuheben und Gespräche in verschiedenen Tonlagen vorzustellen.
Da den Schülern nicht auffiel, dass das Wetter in Lauras Geschichte nicht passte, musste ich sie darauf aufmerksam machen. Laura und Cathy sollten in ihren Texten hervorstreichen, dass wirklich Ostern war. Sie mussten sich also Gedanken um die Weihnachts-, sowie die Osterzeit machen und beide vergleichen. Da diese Monate auseinander liegen und die Kinder noch Schwierigkeiten haben, Ereignisse zeitlich einzuordnen, musste ich ihnen auf die Sprünge helfen.
Auf die Verwechslungen Nikolaus - Weihnachtsmann wollte ich ein andermal eingehen.
Die Aufführung selbst verlief problemlos (siehe Transkript). Besonders Nathalie hat am Anfang viel geredet. Die Gespräche zwischen dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen verliefen so, wie Cathy es beschrieben hatte. Nathalie gab der Geschichte nun noch einen Schluss.Die Gespräche zwischen den drei Kindern im Wald waren enttäuschend. Sie wussten offenbar nicht richtig, was sie sagen konnten. Den Zuschauern fiel das natürlich auch auf. Ihre Kritik war berechtigt, sie wurde jedoch konstruktiv formuliert und gab Hinweise für nächste Schauspieler (siehe Caroline und Jessica). Die Zusammenarbeit zwischen Kindern ist hier selten destruktiv.
Cathy hatte dieses Gespräch auch nicht besonders gefallen, deshalb hat sie nichts davon in ihrer zweiten Fassung geschrieben. Sie hatte sich Kinder vorgestellt, die sich über den Weihnachtsmann lustig machten.
Die Qualität und Quantität der Sprachhandlungen hängt natürlich sehr davon ab, wer an der Aufführung beteiligt ist. In jeder Klasse gibt es die geborenen Schauspieler, die etwas Wunderbares aus einfachen Geschichten machen können oder einfach ihre Kameraden mitreißen können. In jeder Klasse gibt es aber Schüler, die nicht so viel oder gerne reden. Da die Autoren ihre Schauspieler selbst aussuchen, wählen sie oft Freunde. Die Zugpferde sind also nicht immer dabei. Jedes Kind stellt Geschichten vor und spannt so seine besonderen Kameraden ein. Wenn mir auffällt, dass trotzdem nicht jeder mitspielen kann, greife ich ein. Ist die Aufführung zu holperig oder misslungen, lasse ich sie nach der Besprechung nochmals wiederholen (von denselben Kindern oder einer anderen Gruppe).
In dem Gespräch zwischen den Schülern fällt wohl auch auf, dass sie untereinander reden und ich mich soweit wie möglich zurückhalte. Ich greife nur ein, wenn sie etwas Wichtiges übersehen oder wenn die Diskussion stockt. Das funktioniert aber nur, weil die Schüler von Anfang an lernten, weitgehend selbstständig zu arbeiten. Sie sind nun fähig, Kommentare zu geben oder Fragen zu stellen, ohne dass ich sie ständig darauf stoßen muss. Zu Beginn des ersten Schuljahres war das noch schwierig, weil sie fast immer versuchten, sofort eine Rückmeldung von mir zu bekommen. Statt Kameraden miteinzubeziehen, wollten sie alle Gespräche über mich laufen lassen.
Nach der Aufführung setzen sich Cathy und Laura mit einer Freundin zusammen und begannen, den Text zu überarbeiten. (Ich habe nur noch Cathys weitere Fassungen beigefügt, siehe Oster - Nikolaus II und Oster - Weihnachtsmann).
Cathy fügte einiges hinzu. So gab sie die Ursache und die Dauer des Schlafes an. Außerdem lieferte sie eine kurze Beschreibung des Waldes. Hier inspirierte sie sich am vorhergehenden Gespräch. Offenbar hatte Cathy noch andere Ideen gewonnen, so verarbeitete sie z.B. in ihrem Text den Schluss des Spiels. Es war Nathalies Idee, den Nikolaus nach Hause gehen zu lassen, anstatt den Vorschlag des Osterhasen anzunehmen.
Es entsprach wohl eher Cathys Vorstellung, dass die beiden gemeinsam die Geschenke austeilen würden. Trotzdem ließ sie die beiden Figuren auseinandergehen. Dabei beschrieb sie ganz genau den tatsächlichen Spielablauf. Cathy und Nathalie hatten sich da tatsächlich den Rücken zugewandt!
Es schien Cathy auch gefallen zu haben, dass der Nikolaus so lange geschlafen hat. Sie ließ ihn erneut schlafen, diesmal bis Weihnachten. Nun griff sie ihren Schluss wieder auf: der Weihnachtsmann und der Osterhase gehen doch zusammen Geschenke austeilen. Hier gebrauchte sie auch den Namen Weihnachtsmann.
Weil ich wissen wollte, wie die Geschichte in der Originalfassung endete, fragte ich Cathy nach dem Buch. Hier blieb der Schluss offen: der Nikolaus und der Osterhase lachten bei der Idee, gemeinsam zu den Kindern zu gehen. In Cathys Geschichte wurde dies nun Wirklichkeit.
Cathys überarbeitete Fassung wurde im Klassensaal aufgehängt und konnte von jedem gelesen und kommentiert werden. Dies gab wiederum Anlass zu weiteren Diskussionen und änderungen. So kam das Gespräch auch unter anderem auf den Weihnachtsmann.
Als Cathy ihre dritte Fassung vorlas, waren die Kinder begeistert.
Dürfen wir noch einmal spielen?
In der Tat unterscheidet sich diese Fassung sehr von der allerersten. Fertig ist die Geschichte noch nicht, denn die Kinder beschäftigen sich fortwährend damit. Ich ließ sie trotzdem nicht mehr aufführen. Den Schülern würden wieder neue Ideen und änderungen im Rollenspiel einfallen, die wieder Umwälzungen für den Text bedeuten könnten - und so könnte es immer weitergehen. Außerdem warteten viele andere Kinder auf die Aufführung ihrer Geschichte.
Da der Schreiber und der Leser an dem Text arbeiten, ist es nicht weiter verwunderlich, wie lange sich die Klasse damit auseinandersetzt. Es wird deutlich, dass Schreiben wirklich ein sozialer Prozess ist: Autor und Leser beeinflussen sich gegenseitig, die neuen Ideen werden in die nächste Fassung integriert. Es kam sogar vor, dass eine Geschichte bis zu fünfmal überarbeitet wurde, bis der Autor schließlich fand, sie wäre jetzt wirklich fertig. Cathy beispielsweise, arbeitete an drei Tagen an ihrem Aufsatz und änderte vieles um.
Die Arbeit an Cathys Text steht exemplarisch für die Arbeit an allen Texten nach einer Aufführung. Manches lief hier gut, manches war schwierig. Nicht typisch jedoch war, dass der Text sofort aufgeführt wurde. Normalerweise wird er von den Schülern in der Klasse verbessert, durchgesprochen, aufgeführt und wieder verarbeitet. Da aber einige Eltern am 7. Dezember Rollenspielen beiwohnen wollten, suchte ich eine Geschichte, die gut in den Zeitraum passte. Ich entschied mich für Cathys Geschichte, die ich sehr interessant fand.
Ich denke, dass ich aufzeigen konnte, wie eine Aufführung eine Arbeit am Text beeinflussen kann - mehr als die Aufführung selbst tun das vielleicht die Vorbereitung des Spiels und die nachträgliche Diskussion.
Bestätigt hat sich inzwischen auch meine Hypothese, dass die Texte sprachlich reicher und lebendiger werden. Ich lese viel häufiger Dialoge und finde interessante Handlungen vor. Beschreibungen sind nun eingebettet in eine natürliche Erzählung.
Die Aufführung verstärkt die Schreibmotivation zusätzlich. Neben der überarbeitung des Textes, also einer Arbeit, die wie Cathys Geschichte zeigt, nicht zu unterschätzen ist, schreiben die Kinder fortwährend.
Interessant ist es, die Geschichten zu vergleichen. In der Weihnachtszeit war es nicht verwunderlich, dass die meisten Kinder nur über ein Thema schreiben. Neben vielen normalen Geschichten, entstanden auch eine Reihe von ganz ungewöhnlichen Texten, dies nach der besagten Aufführung. Catherine erzählte vom Vogel-Nikolaus, der sich bei den Vogelkindern verspätete, und Carine schrieb eine Osterhasengeschichte. In Svens Geschichte wurde der Nikolaus irrtümlicherweise mit einem Verbrecher verwechselt und landete im Gefängnis. So kam er in Verzug mit den Geschenken. Eine ähnliche Geschichte las ich bei Jessica, dies, nachdem Svens Geschichte in der Klasse vorgestellt worden war.
Die Thematik wurde also sofort aufgegriffen und wieder auf andere Art verarbeitet.
Als Ausgangspunkt der Rollenspiele wollte ich die Erzählungen der Kinder nehmen. Ich hatte mir vorgestellt, dass dies hauptsächlich niedergeschriebene Erlebnisse oder aber frei erfundene Aufsätze seien. Dies war jedoch nicht der Fall, zum einen, weil die Kinder nicht viele Erfahrungsberichte schrieben und zum anderen, weil die Texte nicht ausschließlich in ihren eigenen Köpfen produziert wurden. Der Einfluss der Um- und Mitwelt ist überdeutlich spürbar. So stammte Cathys Grundidee aus einer Geschichte, die ihre Mutter ihr zu Hause erzählt hatte. Viele aufgeführten Geschichten verkörperten Teile oder Ideen, die aus anderen Schülertexten, Kinderbüchern oder Videofilmen stammten. Dies wird deutlich zum Beispiel in Lauras Text oder aber auch in all jenen außergewöhnlichen Weihnachtsgeschichten, die durch Cathys Geschichteausgelöst wurden.
Anfangs kreisten fast alle Aufführungen um das Leben einer lustigen Familie, deren Mitglieder viele Kinder durch Bildergeschichten kannten. Diese Bilder lösten eine ganze Welle von Erzählungen aus. Es waren solche, die Schüler sofort aus den Bildern herauslasen. Später inspirierten sich die Kinder nur an wenigen Abbildungen, bis sie schlussendlich nur noch das Thema Familie als Ausgangspunkt nahmen, um eigene Aufsätze zu schreiben. Die Geschichten waren sehr lebendig, und fast jeden Tag konnten wir eine Fortsetzung lesen. Da die Schüler so begeistert von dieser Serie waren, wurden sehr viele Folgen aufgeführt (bis Dezember hatten sie, neben allen anderen Aufsätzen, fast 60 Texte dazu geschrieben). Mittlerweile hat sich diese Welle etwas gelegt.
Im Dezember lieferten Nikolaus und Weihnachtsmann viele Schreibanlässe und so sahen wir auch viele Rollenspiele zu diesem Thema. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Geschichten und die diesbezüglichen Aufführungen. Jedenfalls war die Arbeit an allen Geschichten sehr fruchtbar.
Texte und überarbeitete Fassungen
Es war einmal ein alter Mann. Er spielte auf der ganzen Welt den Nikolaus.
Es ist Abend, er geht schlafen. Aber bevor er schlafen geht setzt er seine Rentiere in
den Schuppen, er macht die Tür zu. Und geht schlafen, er schläft.
Es ist morgen. Er sieht auf den Kalender. Juchu! Juchu!
Er glaubt es wäre Weihnachten, aber es ist Ostern.
Aber er nimmt seine Rentiere, die Geschenke und
marschiert los.
Er ist im Wald. Da sehen die Kinder ihn, sie lachen über ihn. Die Kinder tuscheln und
sagen leise: Es ist doch Ostern.
Da kommt ein Osterhase. Er sagt: Was machst du denn hier?
Ich habe gedacht es wäre Weihnachten.
Ach, jeder Mensch kann sich irren. Der Osterhase sagt: Du gehst jetzt
mit mir zu den Kindern und ich gehe mit zu den Kindern wenn Weihnachten ist.
Cathy, 5.12.96
Laura, 5.12.96
Cathy, 7.12.96
Der Weihnachtsmann ist in seiner Werkstatt und hämmert, sägt und näht. Er macht die
letzten Geschenke für Weihnachten fertig.
Jetzt ist Abend, er geht schlafen. Aber bevor er schlafen geht setzt er seine Rentiere
in den Schuppen. Er macht
die Tür zu und geht schlafen. Er ist sehr müde, weil er so viele Spielsachen gebaut
hat. Er schläft vier Monate.
Es ist morgen. Er sieht auf den Kalender.
Juchu! Juchu! Er glaubt, es wäre Weihnachten, aber es ist Ostern.
Aber er nimmt seine Rentiere, die Geschenke und
marschiert los.
Er ist im Wald. Da ist alles grün. Die Bäume haben grüne Blätter, auf dem Boden ist
grünes Moos und da wachsen viele Blumen.
Im Wald sind Kinder. Nun sehen sie den Weihnachtsmann. Sie lachen über ihn. Die Kinder
tuscheln und sagen leise:
Es ist doch Ostern.
Da kommt ein Osterhase. Er sagt: Was machst du
denn hier?
Ich habe gedacht, es wäre Weihnachten.
Ach, jeder Mensch kann sich irren. Der Osterhase sagt: Du gehst jetzt
mit mir zu den Kindern und ich gehe mit
dir zu den Kindern, wenn Weihnachten ist.
Der Weihnachtsmann und der Osterhase kehren sich
den Rücken zu und gehen nach Hause.
Jetzt ist Abend. Der Weihnachtsmann geht schlafen.
Er ist so müde, dass er bis Weihnachten schläft.
Chopitipu, Chopitipu! und immer weiter. Er schnarcht so laut, dass die Rentiere
nicht schlafen können. Sie toben immer noch herum. Aber endlich fallen sie todmüde um.
Einige Monate sind vergangen und es ist Weihnachten. Der Weihnachtsmann steht auf,
nimmt die Geschenke und die Rentiere. Er geht den Osterhasen suchen. Sie gehen zusammen zu
den Kindern. Die Kleinen schlafen noch.
Cathy, 11.12.96
Nathalie alias Nikolaus / Weihnachtsmann mit Schulranzen auf dem Rücken (Sack mit
Geschenken) legte sich auf den Tisch und stellte sich schlafend.
Sie wachte auf.
Oh, ich bin noch so müde. (Streckte sich und stand auf.
Sah auf den Kalender) Oh, was ist das? Es ist Weihnachten! Juchu!
(Sie ging zum Stuhl - Schuppen, nahm das Rentier und gab vor, sich auf dessen Rücken
zu setzen. Claudine marschierte los.)
Ein bisschen schneller! Geh weiter! (Sie marschierten über die
Bühne. Nathalie zog das Rentier weiter.)
Bist du schon müde? Dann machen wir hier ein kleines Schläfchen!
(Der Osterhase tauchte auf.)
Was machst du denn hier?
Ich? Ich gehe Geschenke austeilen.
Aber es ist doch nicht Weihnachten. Es ist Ostern.
Mmm! Es ist doch aber Weihnachten.
Nein.
Dann gehe ich nochmal auf den Kalender schauen.
Du gehst jetzt mit mir zu den Kindern, und ich gehe mit dir zu den Kindern, wenn Weihnachten ist. Aber jeder Mensch kann sich irren. Tschüs,
bis nachher. Dann gehe ich jetzt zu den Kindern. Du kommst doch wieder?
Ja, aber diesmal wenn Weihnachten ist.
Ach so! Tschüs!
Auf Wiedersehen. Komm, du musst wieder in deinen Stall! (Die beiden wandten
sich ab. Der Nikolaus ging mit seinem Rentier Richtung Schuppen, Cathy wanderte in die entgegengesetzte Richtung.)
Die Kinder im Wald machten sich Gedanken über das soeben gehörte Gespräch:
Tessy: Hast du das verstanden?
Nadia: Nein.
Tessy: Und du?
Laura: Nein.
Nadia: Wer war das?
Tessy: Der Osterhase und der Nikolaus.
Nadia: Was macht der denn hier?
Tessy: Keine Ahnung.
Nadia: Und wo wohnt der Nikolaus?
Die Mädchen sahen sich fragend an.
Darauf fanden sie keine Antwort.
Claudine Kirsch
claudine.kirsch@ci.educ.lu
Lehrerin in Monnerich
Zweites Schuljahr
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