DECOPRIM 1

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Schule des Wandels


 
Es folgt eine Reihe von Dokumenten, die von Kindern aus der Vorschule hergestellt wurden. Diese Dokumente sind im wesentlichen durch eine gegenseitige Bereicherung im Austausch zwischen den Kindern entstanden. Die Unterschiede zwischen den Kindern, zwischen ihren Impressionen und ihren Interpretationen der Umwelt, zwischen den verschiedenen Interessen sind eine Bereicherung für die Klasse, sowie für jedes einzelne Kind. Durch die unterschiedliche Realisierung einer Arbeit entsteht die Notwendigkeit, seine eigenen Ideen, Anschauungen und Werke anderen mitzuteilen und die Gedanken auszutauschen. Ja, sogar zusammen neue Ideen zu entwickeln, um sie dann gemeinsam auszuführen. Dieser Austausch beschränkt sich nicht auf die Klasse, indem sie den anderen Kindern zeigen und die dazugehörige Geschichte erzählen, sondern die Werke werden regelmäßig mit nach Hause genommen, um sie dort stolz der ganzen Familie vorzustellen. (s. sozialkonstruktivistische Sicht von Youniss)

Michèle hat beim Zeichnen ihrer Familie genau darauf geachtet, immer jeweils 5 Finger und 5 Zehen zu zeichnen. Nach dem Zeichnen hat sie noch einmal sorgfältig nachgezählt, ob die jeweils richtige Anzahl vorhanden ist. Ich kannn von einem bewußten Zählen reden, da ich vorher festgestellt habe, dass sie einen weit höheren Zahlenraum beherscht. Nach Angaben ihrer Mutter wollte Michèle ihren Namen schreiben können, noch bevor sie die Schule besuchte. Sie hat dann zu Hause so lange geübt, bis sie ihn richtig schreiben konnte. Dazu muß ich sagen dass Michèle noch ältere Geschwister hat, welches eine mögliche Erklärung hierzu Wäre.

Erklärung durch Michèle.
Der Nikolaus hat als einziger keine 5 Finger, weil er Handschuhe trägt, in denen er die Geschenke transportiert. Darum sind seine Finger nicht zu erkennen.  
Das leere Blatt wird hier zum interdisziplinaren Medium, auf welchem sowohl mathematische, zeichnerische, wissenschaftliche, Elemente zu finden sind. (Medium sehe ich hier als Datenträger, wie eine leere Kassette ein möglicher Tonträger und ein chemischer Film ein Bildträger ist.) mathematische Elemente: durch die bewusst gezeichnete Menge der 5 Finger und Zehen. zeichnerische Elemente: durch den zeichnerischen Gebrauch eines Bleistiftes naturwissenschaftliche Elemente: durch die Wahl des Motives, durch die Darstellung menschlicher Figuren und durch die genaue Beobachtung der Anzahl der Finger und Zehen
sprachliche Elemente: durch die mündlichen Erklärungen zu dem, sowie durch den Gebrauch der Schriftsprache beim Schreiben ihres Namens. kulturelles Element: durch die Darstellung des hl. Nikolaus.

Ich habe mir die Frage gestellt, warum Patrick eine Kläranlage zeichnet. Liegt es im Erfahrungsbereich des Kindes? Entspringt die Geschichte seiner Phantasie? Ist es der Ausdruck über das Staunen über die Welt?
Also habe ich ihn gefragt. Die Antwort war überraschend und doch einfach und einleuchtend zugleich. "Ich habe es im Fernsehen gesehen." Anschließend erzählte er mir eine Geschichte über ein Krokodil, das in der Kläranlage wohnt. In der Tat ist die Schule nicht die einzige Stelle, wo die Kinder Wissen erwerben. Tag für Tag benutzen sie moderne Medien. Wäre es nicht an der Zeit, die Medien und deren Umgang in den Schulalltag stärker einfließen zu lassen? Blätter mit persönlichen Zeichnungen können das Spiegelbild der aktiven Auseinandersetzung mit der Welt, des momentanen Interesses und der Kompetenz des Kindes sein. Mit den neuen Technologien ist es möglich, die selbst aktiv hergestellten Werke mit original mündlichen Erklärungen zu einem multimedialen Dokument zu verbinden. Auf diese Art lassen sich die eigenen Gedanken besser festhalten, um sie anderen vorzustellen, kritisch zu betrachten und zu überarbeiten. Systematisch angewendet könnte man so die Entwicklung der Kinder anhand von authentischen Dokumenten verfolgen. Diese liefern eine Basis für Gespräche mit den Kindern selbst, sowie mit den Eltern der Kinder über die Entwicklung des Sprachgebrauchs des Kindes.   Blätter, auf denen ein kleiner Kreis zu finden ist, sind ein Anlaß, sich immer wieder neuen Problemlösungen hinzugeben und neue Lösungen zu finden, auf die Frage, was könnte das sein? Die Kinder interpretieren die Kreise immer neu. Es ist spannend nachzufragen, was die anderen Kinder gezeichnet haben. Die Lösungen bei anderen Kindern einfach abzuschauen, ist für die Kinder nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt attraktiv. Selbst aktiv neue Lösungen zu erfinden und sie in Kleinarbeit sorgfältig auszuarbeiten, um sie anschließend stolz erläutern zu können, wird dann zu einer verlockenden Herausforderung.

Beispiele solcher Arbeiten

Luftballon, Diane / Rad eines Busses, Kevin / Heißluftballon, Marina
Entenei, Liz / Fenster einer Rakete, Max / "o" in dem Namen Bob, Pit
Kopf, Kopf eines Vogels, Annouk / Hagelstein, Laurence    

Bibliographie: Youniss, James, 1994, Soziale Konstruktion und psychische Entwicklung,
Lothar Krappmann, Hans Oswald (Hg.), 1. Auflage, Frankfurt a. M.: Suhrkamp


Roger Frisch
roger.frisch@ci.educ.lu
Vorschullehrer in Mersch

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