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John Updike zum Todestag (18.3.1932 – 27.1.2009)

von sketchblog_t091 | 27/01/2026 | Die Notizen des Alten | 0 Kommentare

Der amerikanische Schriftsteller John Updike hat in (2018) Über Kunst / Schriften 1979-2008. Bern/Wien, Piet Meyer Verlag sehr weise Worte über die Genese des Alphabetiserungsprozesses verlauten lassen:

« (…) Jahre bevor geschriebene Wörter für einen jungen Menschen zu etwas Formbarem und Ausdrucksstarkem werden, kann er die Magie der Kreativität bereits durch Feder und Tinte, Pinsel und Farbe erfahren.» (S. 58)

Viele Dokumente der Kinder auf sketchblog.lu erhellen und bestätigen diese Ansicht.

Die Kinder beherzigen auch folgende Feststellung John Updikes, wenn sie sich auf die Suche nach Buchstaben und Zahlen im Rahmen ihrer ästhetischen Gestaltiungen begeben, Buchstaben und Zahlen, die sich in den verschiedensten Formen und Sprachen zu entdecken geben:

« (…) Die Weinranken wanden und kräuselten sich auf so vielfältige Weise, dass ich mir vorstellte, ich könnte dort das gesamte Alphabet entdecken, wenn ich nur intensiv genug hinschaute. (…).» (S.201)

Bedingung für diese der Alphabetisierung zugrundeliegenden Prozesse ist aber die Freude am intensiven Hinschauen, Anschauen und Betrachten:

«Alle Texte sind das Ergebnis des bloßen Hinschauens, der Freuden, die uns der Gesichtssinn beschert, der von all den Quellen unserer sinnlichen Vergnügen am meisten Vielfalt bietet und zugleich der konstanteste ist. (…) Die Kindheit (…) ist zu weiten Teilen ein Stillleben, eine Ansammlung von Gegenständen (…).» (S. 26)

Diese Ansammlung von intensiven Eindrücken beginnt am Tag der Geburt und zieht sich jahrelang dahin, ehe wir die Sprache bewusst benutzen und einsetzen lernen.

Das Erlernen der Schriftsprache zugleich mit den ungenauen und zögerlichen Prozessen des Lesens und Schreibens eröffnet uns dann zusätzliche Möglichkeiten der differenzierten und notwendigerweise unterschiedlichen Wahrnehmung und Gestaltung unseres Lebensraumes:

« (…) wir beim Lesen anders und mehr verstehen als wir visuell erfassen. Ungenauigkeit erweist sich als Schlüssel zum Erfahrungsreichtum des Rezipienten. (…) Sprache ist nun einmal etwas Ungefähres, denn Wörter bedeuten für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Dinge, und es gibt keinen sachlichen Bezugspunkt für die Bilder, die Wörter in den Gehirnen unterschiedlicher Menschen hervorrufen. (S. 249)

John Updike ist ebenfalls ein Verfechter der Wichtigkeit des (freien) Schreibens von Geschichten und Gedichten, weil diese uns erst erlauben, die Grenzen unseres Lebensverständnisses auszuloten:

« Eine Geschichte oder ein Gedicht führt uns näher an die verwickelte Struktur der Erfahrung heran. (…) Im kreativen Schreiben erkunde ich die Grenzen dessen, was ich weiß und was ich empfinde.»
(S. 339, 346)

Deshalb schätzt John Updike auch Bibliotheken und besonders Buchhandlungen, auf die wir zurückgreifen können, um uns beim Lesen und Schreiben zu inspirieren.
So steht es zumindest auf diesem Plakat in seinen eigenen Worten:

Wer den humorvollen John Updike selbst hören will, kann das hier tun:

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