Susan Sontag zum Todestag (16.1.1933 – 28.12.2004)
Auch dieses Jahr will der Alte an Susan Sontag denken, deren Worte auf der Startseite dieses Blogs figurieren:
«Do stuff. Be clenched curious. Not waiting for inspiration’s shove or society’s kiss on your forehead. Pay attention. It’s all about paying attention. Attention is vitality. It connects you with others. It makes you eager. Stay eager.»
Dem fügt Susan Sontag noch folgenden Rat hinzu, der besonders in unseren medial verseuchten Zeiten seine Berechtigung erfährt:
“Sceptical. Be sceptical.” (p. 405)
(2013) As Consciousness is Harnessed to Flesh – Diaries 1964 – 1980. London, Penguin.
Susan Sontag hat immer wieder über den Sinn und die Funktion von Schreiben intensiv nachgedacht, notiert, vorgetragen und mit anderen Autoren wie John Berger gestritten (auf youtube zu sehen und zu hören).
Susan Sontag hatte eine schwierige Beziehung zu ihrer alkoholkranken Mutter und suchte sehr früh Rettung im Lesen und Schreiben:
“(…) writing always works for me, even lifts me out of depressions. Because it´s in writing that I (most) experience my autonomy, my strength, my not needing other people. (…) (Writing is a series of transformations.) (…) For example, I don´t love what I´m writing. Okay., then – that´s also a way to write, a way that can produce interesting results.” (pp. 237, 408)
Kein Wunder, dass Susan sehr sensibel den Zwischentönen in der Sprache auflauert und von da aus einen stets provisorischen Zuganng zu ihren Gedanken freischaufelt:
“ Sensibility is humus for the intellect. (…) I´m not looking for a plot – I´m looking for a ´tone´, a ´color´, and the rest will follow. (…) I write – and talk – in order to find out what I think.” (pp. 19, 61, 146)
Susan Sontags weit ausufernde Gedankenwelt führt stets zurück zu ihrer sehr früh – sie soll bereits mit 3 Jahren durch ihre Mutter lesen gelernt haben – erweckten Liebe zur Lektüre und zu den Büchern, in denen sie die Erlösung für ihre Sehnsüchte findet:
„The love of books. My library is an archive of longings.“ (p. 510)
Susan Sontag braucht keine mechanisierten, schulischen Lernprozesse, um ihren Wortschatz zu erweitern, sondern jahrelange Geduld und anhaltende Anstrengungen:
“Stocking one´s vocabulary – `Wortschatz´, ´word treasury´- requires years, great effort, patience.” (p. 376)
Hier spricht Susan Sontag über das Lesen als notwendige Grundlage für das Schreiben:
Über unsere aktuellen medialen, immer neu beschleunigten Reizüberflutungen schreibt Susan Sontag bereits vor etwa 50 Jahren folgende Sätze:
“As the images multiply, the capacity to respond diminishes. (…) TV the most brutalizing single factor in modern sensibility. (TV changes the whole thythm of life, personal relations, social fabrics, ethics (…).” (p. 185)
Was würde/könnte sie wohl heute schreiben?
Vielleicht könnten wir wenigstens in der Schule handwerkliche Elemente als zutiefst menschliche Faktoren in die Lernprozesse der Kinder und Jugendlichen und somit ihrer Lehrpersonen und Familein implementieren:
“An artisanal world (crooked lines, weathered materials, uneven surfaces) is a human world.” (p. 306)
Dazu gehören natürlich eingehende und längerfristige Anschauungsprozesse:
“It is Flaubert who (first?) said: “Nothing is boring if you look at it long enough.” (p. 521)
Susan Sontag fehlt uns.

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