DECOPRIM 1/97 : suite

Brigitte Claerebout
1ère année d'études
Berchem

Nathalie Jaeger
2ème année d'études
Berchem

Zusammenarbeit zwischen dem 1. Und dem 2. Schuljahr von Berchem

Fortsetzung

Einbezug der Eltern

"I wish to reaffirm that the educating must now represent the richest possible contact between persons and the society in which they have grown up."

Karl Mannheim 1

 

Warum Eltern in den Unterricht mit einbeziehen?

Viele Eltern vergleichen den Unterricht ihres Kindes mit der eigenen Schulzeit. Unterricht in der Form, wie wir ihn bereits in unserem ersten Artikel 2 beschrieben haben, ist Ausdruck einer Pädagogik, die an den Lernwillen und an die Lernfähigkeit der Kinder glaubt. Besucher könnten Eindrücke erhalten, die in sehr krassem Widerspruch zu Erfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit

stehen. Diese Diskrepanz kann Eltern verunsichern, unter anderem deswegen ist Elternarbeit sehr wichtig.

Ich habe am ersten Elternabend, Ende September, die Eltern informiert und mit ihnen über die vielleicht ungewohnte Art von Unterricht (Kooperation mit der 2. Klasse von Nathalie, Freies

Schreiben, Schreib- und Lesekonferenz, Werkstattarbeiten, ...) diskutiert.

Manche Eltern offenbarten mir ihre Ängste und Zweifel.

Sie befürchteten hauptsächlich, dass der Rechtschreibung in diesem Unterricht nicht genug Wichtigkeit beigemessen wird. Ich versuchte sie von diesem Standpunkt abzubringen und erklärte ihnen, dass diese Unterrichtsform authentischere Sprachsituationen ermöglicht und den Sprachkompetenzen eines jeden Schülers gerecht wird.

lch bot den Eltern auch an, in die Klasse zu kommen, um am Schulleben teilzunehmen, wann immer sie es wünschten.

Dass die Eltern bei verschiedenen Aktivitäten mitwirken können, war ihnen schon bekannt, da ich Elternarbeit bereits seit mehreren Jahren praktiziere.

Claerebout Brigitte

 

Après bon nombre d'entretiens avec les parents des élèves de ma classe, je me suis rendu compte que le fait de changer ma méthode d'enseigner avait pu susciter parmi quelques-uns une attitude de méfiance.

Avec un certain recul, je peux dire maintenant que mon erreur avait ete de quitter la voie de l'enseignement traditionnel sans pour autant informer au préalable les parents. Dans ma première réunion en septembre dernier, je leur avais bien sûr présenté le projet DECOPRIM et expliqué mes raisons de participer à ce projet. Cependant, à ce stade, je me sentais incapable de fournir un concept de travail suffisamment transparent à mon auditoire. Je n'etais pas sûre, jusqu'où ce nouvel chemin allait me conduire et quels obstacles j' allais devoir surmonter.

Si pour moi les choses se concrétisèrent peu à peu (je m'etais mis d' accord avec Brigitte pour collaborer) beaucoup de parents venaient me voir pour parler de leurs enfants, mais aussi pour avoir des renseignements sur ma façon de travailler.

Même les mères qui avaient participé aux ateliers ou qui avaient accompagné les classes lors des excursions décrites dans notre premier article 3, continuèrent de me voir de temps à autre pour en savoir plus et pour être davantage informées.

Une maman me confiait un jour: "J'ai pris rendez-vous parce que mon fils ne raconte rien à la maison. Moi, j' aimerais pourtant connaître le déroulement d'une journée scolaire."

Au 2ème trimestre, nous avons organisé une soirée vidéo pendant laquelle nous avons commenté les activités des enfants.

L'écho des parents présents fut très positif dans le sens qu'ils étaient tous d'avis qu'une réunion d'information audiovisuelle est un bon moyen pour voir plus clair à travers cette nouvelle forme d'enseignement.

En voici quelques remarques:

- La vidéo donne des idées plus concrètes.

- On voit que les enfants sont très motivés.

- Leur comportement lors d'un travail en groupe est différent.

- C'est très important de nous montrer le film.

Cette soirée a permis aux parents d'observer leurs enfants lors de différentes activités d'une part et d'exprimer leurs opinions d'autre part.

Je pense que ces réactions démontrent clairement l'importance de la relation entre l'enseignant et les parents, relation qui doit être informative et continue, afin d'éviter des malentendus ou des confusions.

Ces commentaires montrent par ailleurs que l'implication des parents dans les événements scolaires ne peut être réalisée que si l'enseignant est ouvert à toute discussion et s'il permet aux parents de participer à la vie scolaire.

Jaeger Nathalie

 

Wann und wie haben wir die Eltern in den Unterricht impliziert?

Wie schon in der vorigen Ausgabe erwähnt, haben wir den Eltern bei mehreren gemeinsamen Aktivitäten die Möglichkeit geboten das Schulleben einzusehen oder gar darin mitzuwirken.

Die Kinder waren durch die Anwesenheit der Eltern jedesmal besonders motiviert. Die Eltern begrüßten es an außerschulischen Aktivitäten teilhaben zu können, und so manche unausgesprochenen Ängste wurden dadurch überwunden:

Der anfängliche Mangel an Vertrauen, der in diesen Aussagen deutlich wird, kann daher rühren, dass viele Eltern, die jetzt ihre Kinder großziehen, wahrscheinlich ähnlich aufgewachsen sind und deswegen übervorsichtig sind.

"Wenn Eltern ihr Verhaltensmuster ändern und Vertrauen in das Körpergeschick ihres Kindes entwickeln, dann können sie mit Freude beobachten, wie es immer geschickter wird und Selbstsicherheit gewinnt."4

Wie uns einige Schüler berichteten, fanden manche Eltern dermaßen Gefallen an verschiedenen Aktivitäten, dass sie sogar nach der Schule mit ihren Kindern an den Erlebnisort zurückkehrten:

- Wir waren gestern nochmal an die Stelle, wo wir nachmittags mit der Klasse den Hang runtergesaust sind!

- Wir haben beschlossen öfters Schlittschuh zu laufen.

Aus diesen Bemerkungen schließen wir, dass die Kinder sich wohlfühlen. Lernmotivation und Freude am Schulleben werden erhöht. Kinder und auch Erwachsene sind besonders aufnahmebereit, wenn sie sich wohlfühlen. Sie bringen dann dem Lernstoff Interesse und Neugierde entgegen.

 

Beschreibung der Reaktionen der Eltern während 2 Ateliernachmittagen:

Der erste dieser Nachmittage war im Oktober bei den Anschlussaktivitäten zu unserem Spaziergang im Wald.

Anfangs zögerten die Mütter Sie schienen sichtlich überfordert zu sein:

Vor Weihnachten boten wir einen Bastelnachmittag an.

Im Gegensatz zum obenstehenden Ateliersnachmittag, sollten die Eltern jetzt selbst bestimmen was sie den Kindern anbieten wollten. So kam das Gefühl des Unbehagens gar nicht mehr auf Jeder wählte sich ein Thema im Bereich seiner eigenen Kompetenzen. So wurden z.B. Waffeln gebacken, Pralinen gemacht, Weihnachtskarten geklebt, Dekorationen gebastelt und Geschichten vorgelesen.

Bei beiden Nachmittagen, welche eigentlich dazu dienen sollten, den Eltern die Schule zu öffnen und einen besseren Kontakt zu der Schule herzustellen, war die Begeisterung auf beiden Seiten groß: Die Kinder waren überwältigt und auch die Eltern hatten Freude daran, mit ihren Sprösslingen zusammenzuarbeiten. Sie wunderten sich vor allem über die Ruhe und Gelassenheit der Kinnder während der Arbeit in der Gruppe. Immer wieder fielen Aussagen wie:

Nach diesen positiven Aussagen der Eltern und unseren positiven Erfahrungen wurde uns klar, dass diese Art von Beteiligung am Schulleben die Eltern valorisiert, und verantwortungsbewusster macht.

Daraufhin beschlossen wir, die Eltern einmal pro Woche (samstags von 10.30 bis 1 1.30 Uhr) in die Schule zu bitten, dies ganz im Sinne von Eve Gregory (Lecturer in Education, Goldsmiths' College, London). Sie sollten Geschichten vorlesen (auch in Französisch, Italienisch, Portugiesisch oder gar Chinesisch - die Fremdsprachen werden von den ausländischen Kindern übersetzt). Wir besprachen dies mit unseren Elterndelegierten und baten sie, sich zuerst über das Interesse der Eltern zu diesen Lesestunden zu erkundigen. Unser Vorhaben fand große Anerkennung: Die von uns vorbereitete Eintragungsliste war binnen 2 bis 3 Wochen fast vollständig bis zur letzten Woche dieses Schuljahres belegt!

Hier einige Aussagen der Eltern, welche bereits eine Geschichte vorgelesen haben:

 

Manche Eltern haben uns aber auch ihre Bedenken und Ängste zu diesen Lesestunden mitgeteilt:

Diese Ängste und Unsicherheiten sInd verständlich, denn die Eltern befinden sich in einer neuen und für sie ungewohnten Situation.

Sie beweisen, dass auch Eltern unklare Konzepte über schulische Aktivitäten haben, welche durch intensive Zusammenarbeit zur Sprache kommen und eventuell gemeinsam gelöst werden können.

Andererseits wird auch klar, dass Eltern ihre Hemmungen gegenüber der Lehrperson ablegen und ihre Ängste und Unsicherheiten eingestehen. Somit wird die Beziehung Lehrer - Eltern enger und vertrauensvoller. Deswegen ist es enorm wichtig, dass der Lehrer den Eltern die Schule öffnet und somit Raum schafft für eine konstruktive und lehrreiche Zusammenarbeit. Auch der Lehrer kann durch ausführliche Dialoge seine Lehrweise ändern und verbessern.

Allgemeine Gutachten der Eltern über unseren – etwas anderen Lehrvorgang:

Der Grossteil der Eltern ist von unserer Zusammenarbeit begeistert und begünstigt durch seine positive Einstellung das Lernklima.

Leider gibt es aber auch Skeptiker, welche sich nicht von den Vorteilen unserer Lernmethode überzeugen lassen wollen. Sie erkennen zwar deren Wert, halten aber an ihrer traditionellen Einstellung fest.

Folgende Aussagen wurden vor allem von einigen Eltern gemacht, welche besonders hohe Anforderungen an ihre Kinder stellen:

 

Unsere Reaktionen

 

Unsere Erwartungen und Erfahrungen

Vor Beginn unserer Zusammenarbeit waren wir uns natürlich bewusst, dass wir hin und wieder Kritik einstecken müssten und immer wieder zu Diskussionen aufgefordert würden. Manchmal fehlten uns vielleicht die handfesten Argumente, um auch die großen Skeptiker zu überzeugen. Trotzdem waren wir aber auch gespannt auf die Reaktionen der Kinder und der Eltern.

Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern, wurde diesen bewusster, warum wir das Projekt der Zusammenarbeit zwischen 2 Klassen durchgeführt haben. In zahlreichen Versammlungen und durch eine Videovorführung, verschafften wir ihnen Einblick in unsere Arbeitsmethode. Die Ateliernachmittage sollten ihnen das Klassenleben etwas zugänglicher machen.

Aber auch wir profitierten von den Erfahrungen der Eltern, die uns beispielsweise auf eventuelle Pannen beim Gestalten von Aktivitäten aufmerksam machten. Auch scheuten sie es nicht, selbst Initiativen zu ergreifen, um am Schulleben teilzunehmen. Eine Mutter organisierte z.B. einen Ausflug zu einer Indianerausstellung. Eine andere Mutter schlug vor, den Kindern die luxemburgische Kultur vorzustellen. Jetzt zum Schulschluss hat ein Vater ein Grillfest für die vier Klassen unserer Schule angeboten.

Heute, nach unseren positiven Erfahrungen, können wir nur bestätigen, dass durch intensive Elternarbeit und durch das Einbeziehen der Eltern in die Schule, unsere Lernsituation eine Einheit bildet, in der sich jeder mitverantwortlich und daher auch wohl fühlt. Lernen, sowie der Lehrer es versteht, wird besser von den Eltern verstanden. Wir Lehrer lernen die Vorstellungen sowie Wünsche und Ängste der Eltern kennen und verstehen. Davon profotieren am meisten unsere Kinder.

Der zukünftige Lehrer des 2. Schuljahrs bemerkte bei einem Besuch in der Klasse: "Hier hat vieles stattgefunden."

Damit meinte er die zahlreichen Projektarbeiten, die die Kinder ihm in deutscher Sprache beschrieben hatten. Er begutachtete in einem weiteren Gespräch aber auch ihr Verhalten in der Gruppe. Wir teilten ihm mit, dass die Kinder bei einer Umfrage darüber, was Lesen für sie bedeute, geantwortet hätten: " Es ist toll hier in der Klasse, denn niemand ist ausgeschlossen, auch ein schlechter Leser nicht." Der Lehrer empfand diese Aussage als aufschlussreich für die Arbeitsatmosphäre in der Klasse. Seine positiven Worte veranlassten uns dazu, Pro und Contra unserer Zusammenarbeit abzuwägen. Nach unserer Meinung und nach den Elternbriefen und Äußerungen der Kinder können wir heute behaupten, dass jeder von uns etwas hinzugelernt hat und dass man auf jeden Fall mehr gemeinsam erreichen kann, als wenn jeder für sich allein arbeitet.

Wir wünschen uns jedenfalls in den kommenden Jahren ähnliche Erfahrungen machen zu können, denn auch Lehrer lernen noch.

 

1 Mannheim, Karl, 1962, in: Mannheim/Stewart. An Introduction to the Sociology of Education, p. 32, London, Routledge & Kegan Paul

2 Claerebout, Brigitte et Jaeger, Nathalie, 1997, La collaboration entre deux classes: un moyen pour développer les compétences langagières des enfants, in: DECOPRIM1/97, S. 35-42, Luxembourg: MENFP/SCRIPT

3 idem

4 Defersdorf, Roswitha, 1993, Ach, so geht das. Wie Eltern Lernschwierigkeiten begegnen können, S. 35, Freiburg im Breisgau: Herder

 

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