Vorschullehrer
Peppingen
"Mär molen eng Geschicht"
Wie Kinder Medien nutzen
- Literacy-Entwicklung am Beispiel eines Zeichenprogrammes -
" (…) in learning to read and write children come as thoroughly experienced makers of meaning, as experienced makers of signs in any medium that is to hand"
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Versteht man Tätigkeiten wie Bauen, Malen, Zeichnen, Sprechen und Schreiben, sowie die verschiedensten Formen des Spielens als unterschiedliche Formen der Kommunikation und Sinnbildung, "meaning-making" 2, wie Gunther KRESS es nennt, dann ergibt sich ein enormes potential, welches Schule sich zunutze machen kann, um Kinder auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen Umgang mit geschriebener und gesprochener Sprache zu unterstützen.Exemplarisch soll im Folgenden gezeigt werden, wie Vorschulkinder die Möglichkeiten eines sogenannten " neuen" Mediums entdecken und nutzen. |
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Exemplarisch soll im Folgenden gezeigt werden, wie Vorschulkinder die Möglichkeiten eines sogenannten " neuen" Mediums entdecken und nutzen. Anhand der chronologischen Anordnung der Arbeiten von Michèle über einen Zeitraum von etwa vier Schulwochen hinweg gewinnt man einen Eindruck, wie das Mädchen die Möglichkeiten dieses Mediums entdeckt und die Art und Weise, sie zu nutzen, weiterentwickelt hat. |
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Am Anfang herrscht noch ein Experimentieren mit den verschiedenen grafischen Möglichkeiten vor, das Bild wird im Nachhinein benannt. Dann scheinen die grafischen Mittel immer bewusster eingesetzt zu werden, und die dazugehörige Geschichte entsteht mit dem Bild. ln einer weiteren Phase werden fehlende Elemente mit Filzstiften hinzugezeichnet. (Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Kinder in dieser Klasse generell die Möglichkeit haben mir ihre Geschichten zu diktieren, anschließend werden diese ausgedruckt und vorgelesen, manchmal werden sie von den Kindern selbst inszeniert oder mit Zeichnungen ergänzt.) Lernen und Entwicklung finden somit einerseits durch die persönliche Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Mediums statt, andererseits aber auch auf einer sozialen, interpersonellen Ebene, indem die Kinder inhaltliche und formale Ideen anderer Kinder übernehmen und ihrerseits dann wieder weiterentwickeln. |
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Wenn zwei oder mehrere Kinder sich entscheiden eine gemeinsame Geschichte zu malen, wie etwa die Geschichte von Johny und Noé, kommt es zu interessanten Dialogen um das Was und Wie. Die Produkte der Kinder stellen eine Integration verschiedener Medien dar: Schrift, Bild und gesprochene Sprache. Das Bild ist der Ausgangspunkt. Während das Bild entsteht, beziehungsweise während des Diktierens der Geschichte, bedienen sich alle Beteiligten der gesprochenen Sprache. Zusätzlich integrieren manche Kinder Schrift in ihre Grafik. Somit entsteht ein, wie Roger FRISCH es in DECOPRIM1 3 beschrieben hat, ein "multimediales Dokument", welches dann u.a. auch zur Entwicklungsbeschreibung des Kindes zur Verfügung steht.Es scheint mir wichtig an dieser Stelle auf den Stellenwert der Zeichnung als eines jener Ausdrucksmittel hinzuweisen, welches Kinder im Vorschulalter (oder VorSCHRIFTalter?) am Besten beherrschen. |
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So zitiert Joan B. McLane Howard Gardner folgendermaßen: "Until the task of writing has been mastered, the system of drawing is the only(graphic means) sufficiently elaborated to permit the ex pression of inner life" 4Jedes grafische Medium hat spezifische Eigenschaften, welche es für eine bestimmte gestalterische Absicht mehr oder weniger geeignet machen. Eine Tuschefeder ermöglicht beispielsweise die Darstellung kleinster Details während mit dem Pinsel aufgetragene Wasserfarbe.großflächige Farbgestaltung zulässt. |
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Gegenüber den klassischen grafischen Medien, etwa Wasserfarben, Tuschestiften, Wachskreiden, Bleistiften u.ä. besitzt das Zeichenprogramm einige interessante Eigenschaften:
Wenn das Resultat einer bestimmten Manipulation dem Anspruch des Kindes nicht entspricht, kann immer wieder gelöscht werden. Lernen durch Versuch und Irrtum, das aktive Experimentieren mit den Möglichkeiten des Mediums ist gegeben.
Sowohl detailgenaues Zeichnen als auch das großflächige Gestalten mit Farbe ist möglich.
Somit erlaubt auch diese Anwendung des Computers im Unterricht die Erfüllung jener Kriterien welche bereits für die Arbeit im Schreibatelier, sowie die Arbeit mit TEO, hervorgehoben wurden:
Angesichts dieser Tatsachen erscheint die gängige Praxis der Primärschule, dieses Medium zugunsten einer einseitigen Überbewertung des schriftlichen Ausdrucks zu vernachlässigen, als wenig angepasst. Differenzierung kann unter diesem Gesichtspunkt das Zulassen unterschiedlicher Ausdrucksformen bedeuten.
"For many young children, drawing and writin are closely linked, serving as equivalent and complementary means of self-expression."
6Gegenüber den gängigen .Aktivitäten, die auf das Schreiben und Lesen vorbereiten sollen ("préécriture" / "prélecture"), und welche sich allzu oft darauf beschränken Fähigkeiten im Bereich Grafomotorik oder Formenwahrnehmung einzuüben, ermöglicht der hier beschriebene Ansatz den Kindern sinnbildend und kommunikativ tätig zu werden.
Da zudem visuelle Medien in Arbeits- und Kommunikationswelten eine zunehmend wichtigere Rolle spielen, ist eine Aktualisierung der Methoden und Zielvorstellungen der Schule angebracht.
"Modes of communication, other than language, are becoming increasingly prominent and even dominant in many areas of public communication in which language was formerly used exclusively or dominantly. This is true of visual images in particular."
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1 Kress, Gunther, 1997, Before Writing, Rethinking the paths to literacy, p. 8, London: Routledge 2 Idem, p. 12 3 Frisch, Roger, 1997, in: DECOPRIM1/97, p. 67, Luxembourg : MENFP/SCRIPT4 McLane, Joan B., 1990, Writing as a social process, in: Luis C. Moll, (ed.), Vygotsky and education, p. 309, Cambridge University Press 5 Gretsch, Gérard, 1995, TEO – Développement et évaluation d’un traitement de texte oral, p. 371, Luxembourg: MENFP/SCRIPT 6 Mclane, Joan B., idem, p. 309 7 Kress, Gunther, 1997, idem, p. XVII |
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