Günter Bruno Fuchs zum Todestag (3.7.1928 – 19.4.1977)
Walter Höllerer hat 1977 in Sprache im technischen Zeitalter zum Tode von Günter Bruno Fuchs folgende Worte geschrieben:
“GBF’s Gegenwelt. Seine Umarmungen werden uns fehlen. Er lebte, mit uns, zwischen Rechtecken, Amtsdeutsch, Barrieren und Beton. Er lebte, zeichnete, schrieb gegen das Rechteckige, Amtsdeutsche, Beschränkte und Betonierte.
Er wehrte sich.
Er hielt zu allem, was in Bedrängnis war, zu den Eulen, zu den Kindern, zu den Poeten, – und er war selber in Bedrängnis. Er suchte sich aus den Bedrängnissen zu retten, indem er zeigte, was ihn bedrängte (einiges verschwieg er), – und in seine Flugträume. Dabei war er schwer genug, zu bleiben, wo das Bedrängte ihn brauchte, – er flog nicht darüber weg.
Sein Hauptberuf blieb es, ein Freund zu sein, und er schaute, oft vergeblich, nach Leuten aus, die, in ihrer Bedrängnis, diesen Hauptberuf durchhielten.
„Das ist ja unglaublich!“ – Er ließ sich nicht abdrängen, nicht in die Ecken drücken, in die man unbestechliche Wehrlose abschiebt. Nach allen Seiten hat er seine Zwischenrufe ausgeteilt, – die oft nur darin bestanden, daß er Wörter wiederholte, die ihm in die Ohren fuhren. So ist er uneinnehmbar geworden, und selbständig geblieben, – der doch am liebsten mit anderen zusammen durch die Straßen lief, und der das Alleinsein nicht ertragen konnte, wie Kinder es nicht ertragen können.
Geschenkt wurde ihm wenig, im ökonomistischen Zeitalter, – er war am schenken. So hielt er sich, achtundvierzig Jahre lang, in denen er von Beschränkungen nichts wissen wollte, und nichts vom Tod −
War er denn ein Strauchdieb?
