Friederike Mayröcker zum 5. Todestag (20.12.1924 – 4.6.2021)
Vor fünf Jahren ist die großartige Friederike Mayröcker im Alter von 96 Jahren verstorben.
In ihrem letzten veröffentlichten Buch von 2018 Pathos und Schwalbe. Berlin, Suhrkamp., in dem sie auch ihre Freunde Henri und Georgette aus Luxemburg erwähnt, hat sie in ihrer klaren, verknappten Sprache Grundsätzlichkeiten oder Grundgesetze zum Sprechen und Schreiben geäußert, die der Alte allen Lehrpersonen ans Herz legen möchte.
Nur durch tägliches Schreiben kommt man zum Schreiben, denn:
“Das Schreiben lehrt uns das Schreiben.” (S. 113)
und
“Vielleicht ist das Schreiben so etwas wie das Ansetzen v.Dominosteinen, (…)” (S.134)
Friederike Mayröcker verrät uns auch, wie man zu diesen Dominosteinen kommt:
“(…) ich habe mein Leben abgepaust, (…)” (S. 159, 160)
Dazu bedarf es einer materiellen Grundlage und eines Trägers, die da sind:
“(…) die Fotografien v.einst haben meine Erinnerungen gespeist, haben meine Erinnerungen geschaffen (…)” (S. 204)
Mayröcker fügt hinzu:
“ich meine dasz ich das Erinnerte malerisch fühle : hatte ich mich abgemalt bei diesem und jenem Augenblick (…)” (S. 70)
So entsteht eine Sprache geladen mit Gefühlen und Intentionen, denn:
“(…) in den Worten sind die Emotionen eingeschlossen.” (S. 104)
Notgedrungen ist das eine stammelnde Sprache voller Nuancen, Zögerlichkeiten, “Verlesungen Verhörungen Verschreibungen” (S. 68), denn so die vollendete Poetin Friedrike Mayröcker gegen Ende ihres Buches und Vermächtnisses:
“es ist ein Zittern in der Sprache so wie ein Zittern im Palmenhain,” (S. 248)
Sehr einfach und schön, findet der Alte, genauso wie Friederike Mayröcker es schafft die Schwalben zu erfassen und zu beschreiben:
“Schwalben schreiend und pfeifend, und pfeilend, ich meine um jeden Preis ich meine sie stürzen sich in den Himmel in die Tiefe des Himmels, ist´s die UNTIEFE des Himmels?“ (S. 94, 95)
PS: pfeilend gibt es laut Rechtschreibprüfung eigentlich nicht … genauso wenig wie Mayröckers eigenwillige Abkürzung v. für von … und sz für ß … usw.
Aber was solls, denn Friederike Mayröcker hatt nur eines im Sinn:
“(…) der Menschen welkend Leben zu erfrischen.” (S. 33)
