Christa Wolf zum Geburtstag (18.3.1929 – 1.12.2011)
Natascha Wodin hat in einem berührenden Buch übers Altwerden, das den Alten natürlich an der Kehle gepackt hat, ein paar Sätze über den NATO-Generalsekretär Mark Rutte verloren:
“(…) Mark Rutte (…) der bei der Sitzung des Militärausschusses der NATO in Brüssel im Januar 2025 zu einer neuen ´Kriegsmentalität´aufrief und beim NATO-Gipfel im Juni 2025 in Den Haag eine ´stärkere, fähigere und tödlichere Allianz denn je´ beschwor.”
(2026) Die späten Tage. Hamburg, Rowohlt. (S. 167, 168)

In diesem Kontext verweist Natascha Wodin auf folgenden Text unserer Jubilarin Christa Wolf:
“Meteln, 22. Februar 1981.
Die Nachrichten beider Seiten bombardieren uns mit der Notwendigkeit von Kriegsvorbereitungen, die auf beiden Seiten Verteidigungsvorbereitungen heißen. Sich den wirklichen Zustand der Welt vor Augen zu halten, ist psychisch unerträglich. In rasender Eile, die etwa der Raketenproduktion beider Seiten entspricht, verfällt die Schreibmotivation, jede Hoffnung, ´etwas zu bewirken´. Wem soll man sagen, dass es die moderne Industriegesellschaft , Götze und Fetisch aller Regierungen, in ihrer absurden Ausprägung selber ist, die sich gegen ihre Erbauer, Nutzer und Verteidiger richtet: Wer könnte das ändern. Der Wahnsinn geht mir nachts an die Kehle.”
(2008) Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra. Frankfurter Poetikvorlesungen. Berlin, Suhrkamp.
Auch 2026 haben unsere Kinder Mark Ruttes Welt nicht verdient, so meint zumindest der Alte.
Was die permannete Kriegstreiberei in den Medien psychisch für Auswirkungen auf unsere Kinder hat, können wir kaum erahnen.
Wir sollten also mehr auf Natascha Wodin und Christa Wolf hören, sie beharrlich lesen.
