Bruno Latour zum Todestag (22.6.1947 – 9.10.2022)

von Taccuino Del Vecchio | 09/10/2026 | Die Notizen des Alten

Vor 4 Jahren ist Bruno Latour, die Hauptfigur der Actor-Network-Theory, verstorben.
Der Alte sagt es gleich: Bruno Latour würde dringend benötigt in Zeiten der Paranoia über Wohl und Nutzen und Gefahr durch AI und KI.

Prince of Networks, so hat ihn Graham Harman in seinem 2009 erschienenen Buch Prince of Networks – Bruno Latour and Metaphysics, Melbourne, re.press. genannt.

Sieht man AI und KI als mögliche Mediatoren unseres alltäglichen Lernens an, sollte man die folgenden Worte Bruno Latours beachten:

«Mediators transform, translate, distort, and modify the meaning or the elements that they are supposed to carry.» (p. 39)
(2005) Reassembling the Social – An Introduction to Actor-Network-Theory. Oxford, Oxford University Press.

Was Bruno Latour hier anmahnt, ist dem Alten bewußt geworden, als er sich selbst gegoogelt hat und die Angaben der AI zu seiner Person lesen konnte, die wohl viel Wahres enthielten und trotzdem ein ziemlich falsches Bild seiner Person und Wichtigkeit vermittelten.

Aber auch das hat Bruno Latour vorausgesehen:

«No matter how apparently simple a mediator may look, it may become complex; it may lead in multiple directions which will modify all the contradictory accounts attributed to its role.» (ibid.)
Zuletzt beschwört Bruno Latour dann die komplexen, typisch menschlichen Eigenschaften wie stürmische Liebe, abgrundtiefe Trauer, unverständliche Meinungen und zögerliches Herantasten, die der AI und KI erst einmal eingeimpft werden müssen.
«A properly functioning computer could be taken as a good case of a complicated intermediary while a banal conversation may become a terribly complex chain of mediators where passions, opinions, and attributes bifurcate at every turn.» (ibid.)

Dann hat der Alte auch noch etwas bei Bruno Latour gefunden, was die Arbeiten der Kinder in der Jean Jaurès Schule ab Zyklus 1 charakterisiert, nämlich agency und performance, und zugleich beschreibt, warum es dem pädagogischen Establishment mit ihrer institutionellen Autorität so schwer fällt, dies als Realität zu erkennen und zu würdigen:

«Paradoxically, educational authorities define the target competences ahead of the learners’ practical actions. This inverts the process of becoming competent in some matter, where a series of performances precedes the definition of the competence that will be made later the sole cause of these very performances.» (p. 119)
1999) Pandora’s Hope – Essays on the Reality of Science Studies. Cambridge, Harvard University Press.

Dem ist nichts hinzuzufügen.