Paul Auster zum Todestag (3.2.1947 – 30.4.2024)
Vor zwei Jahren verstarb der amerikanische Autor Paul Auster.
Der Alte hat ihm bereits einen Post hier zum Geburtstag gewidmet.
In seinem Buch von 2014 Bericht aus dem Inneren. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt. hat Paul Auster einfühlsam und präzise die Erlebniswelt der frühen Kindheit geschildert. Zugleich ist es eine eingehende Beschreibung der Unvermeidlichkeit und Unumgänglichkeit des ´storying´, also des Geschichtenerfindens aus der gedehnten Betrachtung der uns umgebenden Dinge, Gegenstände und Objekte:
“AM ANFANG war alles lebendig. Die kleinsten Gegenstände waren mit pochenden Herzen ausgestattet, und selbst die Wolken hatten Namen. Scheren konnten gehen, Telefone und Teekessel waren Cousins, Augen und Brillen waren Brüder. Das Zifferblatt der Uhr war ein Gesicht, jede Erbse in deinem Napf hatte eine eigene Persönlichkeit, und der Kühlergrill vorn am Auto deiner Eltern war ein grinsendes Maul mit vielen Zähnen. Bleistifte waren Luftschiffe. Münzen waren fliegende Untertassen. Die Äste der Bäume waren Arme. Steine konnten denken, und Gott war überall.
Es war nicht schwer zu glauben, dass der Mann im Mond wirklich ein Mann war. Du konntest sein Gesicht vom Nachthimmel auf dich hinabblicken sehen, und zweifellos war es das Gesicht eines Menschen.” (S. 9)
In seinem letzten Roman von 2024 Baumgartner bestätigt Paul Auster noch einmal die Wichtigkeit der augenblicklichen, intensiven Wahrnehmung und Betrachtung:
“Remember this moment, little man, remember it for the rest of your life, for nothing more important will ever happen to you than what is happening to you right now.” (p. 200)
Hier spricht Paul Auster über die Genese seines Schreibens, die vielleicht in seinen Notizbüchern zu finden ist:
